Digitale Trendsetter und ihr Einfluss auf Mode & Stil

Wie in allen Lebensbereichen haben Social Media, Blogger und Twitterer auch in der Welt von Stil und Mode bereitgemacht und das Gefüge aufgebrochen.

International der grösste Name ist derzeit The Selby, der wunderschöne Porträts von Menschen und Räumen macht.
Bildlegende: International der grösste Name ist derzeit The Selby, der wunderschöne Porträts von Menschen und Räumen macht.

Wenn wie jetzt in New York die Fashion Weeks stattfinden, dann sitzen Blogger dort heute genauso in der ersten Reihe wie die Macher der großen Zeitungen und Zeitschriften.

Sie haben sich von hinten nach vorne durchgearbeitet, mit großen Kameras und ebensolchem Ehrgeiz - die Digital Kids der Stil- und Modewelt. Am Anfang waren sie Aussenseiter, die als «Fans» digitale Tagebücher führten und mit ihrer subjektiven Wahrnehmung das kommentierten, was die Lifestylebranche ihnen vorsetzte.

Sie kommentierten ziemlich frech, persönlich und ohne Rücksicht. Sie waren die Kids am Rande des Zauns, die auch mal laut rülpsten, wenn der Rest sich mit Champagner zuprostete.

Dies stiess in der Branche erst einmal mit Ablehnung und Unverständnis. Wer vor vier Jahren fragte, wer denn dieser Sartorialist sei, wurde von Habitués abgekanzelt.

Und in Paris wurden die, die mit Digitalkameras die Mode am Laufsteg fotografierten, vor noch nicht allzu langer Zeit von Security-Personal aus der Meute gefischt und zum Löschen der Bilder gezwungen. Man befürchtete, dass die Kopisten durch sie noch schneller arbeiten können.

Mittlerweile versteht man auch in Paris, dass die teilweise unreflektierte Unmittelbarkeit von Twitter und Facebook auch zum eigenen Vorteil genutzt werden kann. Blogger sind die wichtigsten unmittelbaren Multiplikatoren geworden, werden aktiv umworben und naturlich auch manipuliert, denn die Branche hat die reizende Kombination aus jugendlicher Naivität und Geltungssucht, welche die Blogger kennzeichnet, für sich instrumentalisiert.

Die Mode hat ihre jungen Wilden umgarnt, verführt und abhängig gemacht, und ihnen damit die Zähne gezogen. Manche sind auch einfach angestellt oder von grossen Verlagen eingemeindet worden.

Die grossen Vorbilder

Der große, noch immer unabhängige «Guru» ist The Sartorialist, der im richtigen Leben Scott Schuman heißt und damit anfing, coole Leute auf der Strasse zu fotografieren. Mit der Zeit ging er auch an die Fashion Weeks, wo natürlich besonders viel auffällige Leute zu finden waren.

Erst fotografierte Schuman draußen vor den Zelten, dann allmählich auch drinnen in den Schauen, inzwischen hat er fast überall einen Platz ganz vorne. Ähnlich arbeiten Susie Bubble von Style Bubble, Tommy Ton von Jak & Jil, Brianboy oder Garance Doré.

Schweizer Pioniere waren die Ostschweizerin Play Hunter und der Westschweizer Yvan Rodic alias The Facehunter. Ein gutes Auge hat auch der junge Zürcher Pascal Grob von Fashion Bits and Bobs.

Neben den Mode-Blogs gibt es zahlreiche Wohn- und Designblogs zum Thema Wohnen, und gerade die Skandinavier haben da viel Geschmack und Talent - zum Beispiel Emmas Design Blog aus Stockholm.

International der grösste Name ist derzeit sicher The Selby, der wunderschöne Porträts von Menschen und Räumen macht. Deutschsprachig führend sind die Freunde von Freunden aus Berlin. Und in der Schweiz macht Sweet Home von Marianne Kohler Nizzamuddin (Tamedia) eine gute, beherzte Arbeit.

Meinung bleibt wichtigstes Kapital

Geld verdienen Stil-Blogger, die in den ersten Jahren oft eher Idealisten waren, einerseits ganz klassisch durch Bannerwerbung auf ihren Portalen oder auch mit dem Verkauf ihrer Bilder. Die Besten der Branche werden auch gebucht, um Werbekampagnen zu fotografieren.

Zunehmend kassieren die Blogger aber auch für Empfehlungen, die sie zu ganz bestimmten Marken oder Produkten machen und dann auf die entsprechenden Webshops verlinken, eine Verkaufsprovision.

Eine Vertreterin dieser Kategorie von digitalen Meinungsmachern ist etwa die Zürcherin Sandra Bauknecht mit ihrem Blog Sandras Closet, die als real existierendes Fashion Victim eine dankbare Projektionsfläche für die Marken ist und deren News auch fleissig weiter kolportiert.

Solche Blogger haben eine teils hitzige Diskussion darüber entfacht, wie echt, unabhängig oder glaubwürdig die Bloggerei heute überhaupt noch ist.

Fakt ist: Mit den Bloggern ist alles schneller, unmittelbarer und demokratischer geworden. Sie sind eine wichtige Stimme im ganzen Konzert der Meinungen - zumindest die, welche noch eine haben und diese auch kundtun.

Die anderen sind nur Wasserträger, und da wird es in den kommenden Jahren sicher auch eine Flurbereinigung geben. Und wenn die Social Media Communities der Modebranche etwas gezeigt haben, dann wohl, dass es heute unumgänglich ist, sich mit diesen Digital Kids zu beschäftigen und deren Sprache zu lernen.

Autor/in: Jeroen van Rooijen