Gewusst wie: Die Garderobe ausmisten.

Was im Zwischenmenschlichen oft eine schwere und leidvolle Sache ist, muss in der Garderobe nicht weh tun: Aussortieren und sich von seinen Kleidern trennen kann Spass machen, zu einem besseren Leben führen und erst noch die Haushaltskasse aufbessern.

Jetzt seinen Kleiderschrank entrümpeln, oder aber ihn zum Kunstprojekt erklären. Wie 'Wardrobe' des Künstlers Antoni Tapies.
Bildlegende: Jetzt seinen Kleiderschrank entrümpeln, oder aber ihn zum Kunstprojekt erklären. Wie 'Wardrobe' des Künstlers Antoni Tapies. Keystone

Zweimal im Jahr ist das Minimum etwa dann, wenn man die Garderobe von Winter auf Frühling bzw. von Sommer auf Herbst umstellt. Der SRF-3-Stilsheriff empfiehlt zudem, noch einmal während der Saison mit einem kritischen Auge durch die Schränke zu gehen. Das kann man etwa zu Weihnachten machen, oder auch mal während der Sommerregenzeit, im Juli.

Wenn man ein Kleidungsstück in den letzten sechs Monaten nicht mindestens zwei Mal getragen hat, sollte man sich davon trennen. Etwas schwieriger sind die Entscheidungen bei besseren Stücken, für die man mal viel bezahlt hat und/oder die man gerne trug. Doch auch da heisst es: besser rechtzeitig aussortieren, bevor etwas zur Last wird. Entweder man steckt es in die Textilsammlung, welche alles sortiert und verwertet, oder man macht aus dem Rohstoff selber ein Geschäft. Denn gute Kleidung ist auch getragen noch etwas wert. Man kann sie etwa online versteigern oder einen Quartierflohmarkt organisieren.

Nach dem Aufräumen und Verhökern sollte man aber nicht gleich wieder in die Läden rennen, sondern ein paar Wochen mit reduziertem Sortiment geniessen und dem Schrank die neue Luftigkeit gönnen. Wenn man dann wieder einkauft, soll man vorher gut schauen, was man denn gerade nicht mehr im Schrank hat. So riskiert man weniger, dann doch wieder dasselbe zu kaufen.

Weniger ist mehr

Das allgemeine Preisniveau von Kleidung ist in den letzten Jahren kontinuierlich gesunken. Und: wer schon mal bei Primark einkaufen war, der sieht, dass es noch einmal billiger geht als bei Zara, H&M, New Yorker oder C&A. Die Kleidung, die dort verkauft wird, kostet nicht nur kaum mehr etwas, sie ist auch nichts mehr wert. Und darum sollten wir langsam umdenken. Wir kaufen besinnungslos und sinnlos viel Mode, und zahlen für diese Billigklamotten letztlich doch zu viel! In jungen Jahren mag man sich noch von der Mode verführen lassen, aber: mit jedem weiteren Lebensjahr sollte man besser und gezielter, also selektiver einkaufen. Weil man damit auf lange Sicht sogar besser fährt als mit Billigklamotten. Ein einfaches Beispiel:

 

Vergleichsmodell Blazer

Billiganbieter

Qualitätsmarke

Anschaffungspreis

250

750

Angenommene Haltbarkeit

1 Saison

4 Saisons

Effektiver Preis pro Saison

250

187.50

Wiederverkaufswert n. 2 Jahren

25

130

Tatsächliche Investition / Saison

225

155

Theoretisch könnte man auch Billigklamotten mehrere Saison tragen. Die Realität ist aber meistens diese: man wird diese Sachen nicht jahrelang tragen. Sie sind materiell und verarbeitungstechnisch gar nicht mehr für ein langes Leben geschaffen. Ausserdem verleidet einem hochmodische Wäre nachweislich schneller als gehaltvolle Klassiker, die man eines Tages weitergeben kann.