Label-Fakes – cooler Gag oder Schuss ins eigene Knie?

Gefälschte Markenartikel, gerade von Luxusmarken, sind heute im Strassenbild gang und gäbe. Manche können sich die teuren Originale nicht leisten und kaufen darum die Fakes. Doch andere finden es sogar cooler, die Plagiate zu tragen. Ist es das wirklich?

Louis Vuitton
Bildlegende: Kein Fake, sondern echt: eine Tasche aus der nächsten Frühlingskollektion von Louis Vuitton. Keystone

Gefälschte Uhren, Luxushandtaschen, Schuhe oder Foulards der Markt der Plagiate boomt und profitiert von der Begehrlichkeit, welche Luxusmarken mit ihren Anzeigen-kampagnen erzeugen. Denn nicht jeder, der sich nach einer Handtasche von Louis Vuitton oder nach einem Regenmantel von Burberry sehnt, kann sich diese Markenartikel auch leisten. Also trägt man halt ein Plagiat.

Raffinierte Fälschungen
Fälschungen kommen zum überwiegenden Teil aus Asien, meistens aus China, wo das Kopieren von Markenartikeln eine jahrzehntelange Tradition hat. Über dunkle Handelswege, meistens vorbei an Zöllen und dergleichen, kommen diese falschen Markenprodukte nach Europa, wo sie zumeist auf Märkten oder fliegenden Händlern auf der Strasse vertrieben, immer öfter aber auch übers Internet verkauft werden. Manchmal sind die Kopien plump und auf den ersten Blick als Plagiate erkennbar. Doch immer öfter sind auch die Fälschungen recht raffiniert und stellen auch Fachleute vor Probleme.


Es gibt inzwischen im Bereich der Plagiate selbst eine Art von Marktsegmentierung: zuunterst sind die lieblos zusammen-geschluderten Kopien, die man gleich erkennt und die wenig kosten sie sind mehr Scherzartikel als Luxuswaren. Dann gibt es halbraffinierte Täuschungen, die gut aussehen, sich aber aufgrund der Handelswege, auf denen sie angeboten werden, deklassieren. Und schliesslich gibt es regelrechte Luxus-Plagiate, die in Material- und Fertigungsqualität an die Originale heranreichen und auch ordentlich Geld kosten.

Der beste Preis zählt
Gerade bei den Uhren ist der Markt der raffinierten Plagiate stark gewachsen. Der Branchenverband Fédération horlogère hat 2012 in China und Südostasien über 2500 Polizeiaktionen veranlasst und festgestellt, dass zwar weniger Uhren als auch schon kopiert werden, dafür aber besser. So seien auch Fälschungen auf dem Markt, die mehr als 1000 Franken kosten. Oft werden solche Fälschungen auf Internet-Börsen ausgeschrieben, wo sich der Kunde nicht so sehr für Zertifikate und Herkunft interessiert, sondern vor allem den besten Preis erzielen will.


Dann gibt es aber auch Menschen, die tragen willentlich und voller Absicht Kopien, weil sie damit ein Zeichen gegen Labelwahn und Gier der Luxusmarken setzen wollen. Für sie ist eine Art subversiver Akt, sich ein Plagiat zuzulegen. Es sind wahrscheinlich die gleichen kurzsichtigen Leute, die in Süddeutschland einkaufen gehen und dafür Hunderte von Kilometern fahren, nur weil das Würstchen dort so viel billiger ist. Sie betrügen sich selber und ihre Mitmenschen.

Initiative der Luxushersteller
An diese Leute, die willentlich gefälschte Artikel kaufen, richtet sich eine neue Initiative des deutschen «Meisterkreises» der Qualitätshersteller. Sie haben im Internet einen «Plagiate Shop» aufgetan, auf dem es teuren Rotwein von Château Latrine, Luxuskameras von Leima oder modische Sonnenbrillen von Pior zu kaufen gibt. Wer im Plagiate-Shop auf das Feld «Mehr Informationen» klickt, bekommt zuerst noch einmal ein Auswahlfenster, das noch einmal Details des angepriesenen Produktes enthält.


So steht bei einer Uhr von PVC Schaffhausen (statt IWC) etwa: «streng limitierte Auflage, wasserdicht bei Trockenlagerung und Armband aus Blindschleichenleder». Wer dann auf «Kaufen» klickt, läuft aber ins Leere und bekommt nur folgenden Texthinweis: «Wussten Sie eigentlich, dass Kenner nur Originale kaufen? Ihnen reicht schon das Etikett? Sie haben an Nachgemachtem wirklich Freude? Das können wir uns nicht vorstellen. Wir versprechen Ihnen: Plagiate werden jedenfalls keine Ihrer Erwartungen erfüllen. Freuen Sie sich, wir haben Sie vor dem Kauf billiger Kopien bewahrt und vor den möglichen Folgen.»

Riskien bewusst in Kauf nehmen
Die möglichen Folgen sind nämlich Bussen und Strafverfolgung. Denn Plagiate zu kaufen ist nicht nur kurzsichtig und egoistisch, sondern auch kriminell und darum strafbar. Wer falsche Waren aus dem Ausland importiert und damit am Zoll erwischt wird, muss die Plagiate nicht nur abgeben, sondern riskiert eine Busse und einen Prozess. Wer grössere Posten importiert, riskiert sogar Gefängnis.


Darum: Wer clever ist, kauft lieber gar nichts als eine Fälschung. Weil man mit Plagiaten Kriminalität fördert und letztlich an seinem eigenen Stuhl sägt. Gerade in einem Land wie der Schweiz, das Qualitätsprodukte in alle Welt exportiert und au den echten Wert der Marken angewiesen ist, grenzt es fast an Landesverrat, absichtlich falsche Labels zu tragen.


Die wichtigsten Tipps, um nicht auf Fälschungen hereinzufallen:
- Die Qualität der Machart ist als erstes zu prüfen. Schauen Sie nicht nur auf die äussere Erscheinung, sondern auch auf das Innenleben und prüfen Sie, wie das Futter genäht oder Metaillteile befestigt sind.

- Unfassbar gute Preise, die weit unter dem Marktüblichen liegen, sind meist zu gut, m wahr zu sein. Wenn der Händler den Preisunterschied nicht plausibel erklären kann, sollte man vom Kauf absehen.

- Wenn Luxuswaren auf der Strasse oder auf einem Wochenmarkt verkauft werden, können sie kaum je echt sein. Echte Produkte gibt es meistens nur in den Markenshops der Hersteller oder bei glaubwürdigen Handelspartnern.

- Etwas, das nicht originalverpackt und mit Zertifikaten, Garantieschein und dergleichen angeboten wird, ist zu misstrauen. Auch sollten Qualitätsprodukte immer Hinweise enthalten, wo etwas produziert wurde.

- Die Sprachqualität von Beipackzetteln oder gefälschten Papieren ist oft holprig und fehlerhaft. Wer Hinweise in zweifelhaftem Deutsch oder Englisch liest, ist wahrscheinlich kurz davor, übers Ohr gehauen zu werden.

- Im Internet ist besondere Vorsicht geboten, gerade wenn die Anbieter vom Ausland aus operieren und die gezeigten Fotos nicht ganz gestochen scharf sind. Unbedingt die Bewertung von Verkäufern kontrollieren, bevor man zuschlägt.

Siehe auch: www.plagiate-shop.de oder www.stop-piracy.ch

Autor/in: Jeroen van Rooijen