Modechinesisch – ein Grundkurs

SRF 3 Stilsheriff zerlegt das modische Kauderwelsch Stück für Stück in seine Einzelteile.

Bildlegende: Colourbox

Ein durchschnittlicher Modeartikel liest sich manchmal so: Total stylish: die glamouröse Cruise Collection von Marc Jacobs, dem Doyen der Urban Sophistication, setzt auf boxy shapes und clevere Coordinates. Sein Markenzeichen sind Layering, Colourblocking, Peep-Toes und Tote-Bags. Natürlich fehlen auch Must-haves wie Wedges, distressed Denims und Clutches nicht. Als Testimonial dieser Capsule Collection dient die Queen of Casual, das It-Girl Chloe Seviginy.

Alles klar? Gewiss nicht. Unser Stil-Mann Jeroen van Rooijen erklärt.

Stylish ist nicht stilvoll. Stylish ist zu sehr um Aufmerksamkeit und Aktualität bemüht. Jemand, der stylish ist, hat oft sogar nicht wirklich Stil.

Glamourös steht  für ein besonders prunkvolles oder elegantes Auftreten oder Selbstdarstellen in der Öffentlichkeit, das sich von Alltag und Durchschnitt abhebt.

Die Cruise Collection kommt aus Amerika und ist eine luftigere Zwischensaison zwischen Winter und Frühling, wenn die Wohlhabenden früher zu einem Seacruise aufbrachen.

Sophistication steht stellvertretend für raffiniert, elegant oder subtil chic. Man zeigt mit Sophiatication guten Geschmack an, und damit privilegierten Status und Überlegenheit.

Boxy Shapes sind kastig geschnittene, also nicht taillierte und gerade fallende, darum meistens bequeme Kleidungsstücke.

Coordinates beschreibt ein modisches Ensemble, das in Stoff, Farbe und Muster ganz aufeinander abgestimmt ist. Man nennt es auch "total Look", doch es ist in Zeiten von Mix & Match etwas aus der Mode gekommen.

Layering ist die Kunst, verschiedene Kleidungsstücke übereinander zu schichten - Oma nannte es auch den Zwiebellook.

Colourblocking ist die Kunst, in einem Outfit verschiedene Farben grossflächig miteinander zu kombinieren und nicht Harmonien, sondern starke Kontraste zu schaffen.

Peep-Toes sind Damenschuhe mit einem kleinen Zehenausschnitt vorne an der Spitze, aus dem der grosse Zeh herausschaut oder eben „peept.

Der Tote-Bag ist der linguistische Nachfolger des Body Bags, den man in Europa vor Jahren auch cool fand. Mit dem gleichen Begriff, den  Europäer für nahe am Oberkörper getragene Taschen brauchten, bezeichnen die Feldherren in den USA die Leichensäcke, in denen tote Kameraden vom Schlachtfeld transportiert werden. Der Tote Bag ist aber eine einfache Tasche to tote, zum Schwenken, also nichts anderes als ein Shopper.

Als Must-haves werden in Modemagazinen normalerweise all jene Dinge bezeichnet, die man nicht wirklich haben muss, bei denen die Redaktion aber einen erhöhten Druck seitens der Anzeigenkunden spürt, sie den Lesern auch schmackhaft zu machen also besser Finger davon lassen!

Wedges sind Keilabsätze darauf geht man sicherer als auf Stiftabsätzen, aber genauso elegant. Eine sportive Variante zu den High-heels oder Stilettos.

Distressed Denim steht wörtlich für verletzt oder verzweifelt, bezeichnet aber in der Modesprache stark gewaschene oder auch absichtlich stellenweise zerfetzte Jeans.

Clutches sind kleine, meist rechteckige Abendhandtaschen, in denen man das Nötigste zum Abend- oder Cocktailkleid herumträgt. Sie sind oft aus wertvollem Leder oder mit schmückenden Applikationen dekoriert.

Testimonial ist der derzeit übliche Modebegriff für Menschen, die sich gegen Geld als Werbeträger für ein bestimmtes Produkt oder eine Marke engagieren lassen. Früher hätte man es eine „gekaufte Haut genannt.

Capsule Collection bezeichnet eine ausserhalb des üblichen Rhythmus der Kollektionen hinzu- oder dazwischengefügte Linie, die üblicherweise zu einem bestimmten Ereignis geschaffen wird (etwa zu grossen Festen) und nur wenige Teile umfasst.

Casual bezeichnet alle Arten von Mode, die nicht formell oder business-like sind also die ganz grosse Mehrheit dessen, was heute in den Läden hängt. Man spricht in Folge des globalen Siegeszugs der Casual Wear auch von der „Casualisierung des Stils.

It-Girl ist die Berufsbezeichnung von mediengeilen jungen Frauen, die hauptberuflich auf Partys erscheinen, Champagner trinken, betrunken von der Polizei erwischt werden und mit anderen Schuhen als 12-Zentimeter-Louboutins gar nicht aus dem Hause gehen.

Autor/in: Jeroen van Rooijen