Neues Design aus Schweden

In Stockholm ist Möbelmesse, und das nehmen die Schweden ziemlich ernst. Denn bei den Möbeln zehrt Skandinavien von einem schon rund fünfzigjährigen Design-Mythos, den maßgeblich die Dänen etabliert haben.

Aufbewahrung nach schwedischer Art von String.
Bildlegende: Aufbewahrung nach schwedischer Art von String. String.se

Deshalb ist das Finden einer neuen Sprache in der Welt des Wohnens eine nationale Aufgabe für Schweden geworden. Also hat sich jetzt die Regierung eingeschaltet und fordert die schwedischen Designer auf, der Welt einen neuen Designbegriff zu formulieren.

Einerseits findet in Stockholm die große Designmesse auf dem Messegelände statt, wo 750 Aussteller ihre Ideen zeigen - Darunter viel solides Handwerk und brave Klassik wie Lammhults und Gärsnäs, aber auch hippe Labels wie Kvadrat oder überraschende Designbüros wie A2.

Möbelexport im grossen Stil
Sie exportieren pro Jahr Möbel  im Wert von 2,55 Mia. Euro, 2/3 davon in umliegende Länder. Dann gibt es einen Haufen junger Kreativer, die in der ganzen Stadt ihre Ideen in Showrooms, Galerien, Ateliers und anderen Kavernen zeigen und die Stadt zum lebhaften winterlichen Designparcours machen.

Schweden ist mehr als Ikea
Mit Schweden assoziieren die meisten Menschen im Ausland Abba, H&M oder Ikea - maximal vier Buchstaben scheinen ein gutes Erfolgsrezept zu sein. Das wissen auch die Jungen, die jetzt am Start sind, etwa das Designbüro Note, auch wieder mit vier Buchstaben, allerdings mit sechs Köpfen.

Die neuen Stars sind oft Teams und nicht mehr Einzelpersonen. Das derzeit bekannteste heißt Front und ist ein dreiköpfiges Kollektiv aus gut aussehenden Frauen. Sie machen Design mit Witz, intelligenten Lösungen für den Alltag und cleverer Selbstvermarktung.

Man wird aus Schweden noch viel hören
Und es sind noch viele mehr in den Startlöchern - wenn auch nur ein Zehntel der sich in diesen Tagen in Stockholm präsentierenden Designbüros internationalen Erfolg hat, wird man sich noch an ganz komplizierte Namen wie Claeson Koivisto Rune gewöhnen müssen.

Wer schlichtes, funktionales und aus Holz gebautes Möbelhandwerk aus Schweden erwartet, der muss umdenken - die neue Generation will zeitgeistiges Design machen, das auch mal verspielt oder gar dekorativ ist - die Schränke von A2 zeigen das, oder die textilen Sitzbezüge von Färg & Blanche.

Thema Geräuschdämmung
Aber natürlich sind die Entwürfe am überzeugendsten, die eine gewisse Klarheit ausstrahlen, so wie es der junge Jonas Wagell zeigt, oder eben das Designkollektiv Note, das ganz wunderbare Lampen macht. Ein grosses Designthema ist auch Gerauschdämmung durch textile Bezüge oder Kacheln, denn die modernen Grossraumbüros sind lärmig und stressig, und dagegen wollen die Schweden etwas tun.

Autor/in: Jeroen van Rooijen