Schweizer Mode - der textile Sonderfall

Der SRF 3 Stilsheriff kam vor einer Woche zum Schluss, dass sich der Schweizer gerne gut und zeitlos, aber auch praktisch und zweckorientiert kleidet. Aber wie sieht denn die Schweizer Mode aus, also Modedesign, das aus der Schweiz kommt?

Applaus in Paris für Modedesigner Albert Kriemler vom St. Galler Label Akris.
Bildlegende: Applaus in Paris für Modedesigner Albert Kriemler vom St. Galler Label Akris. Keystone

Schweizer Mode ist im besten Fall gut gemacht, durchdacht und ein bisschen diskret, so wie eine wertvolle Schweizer Uhr. Aber es gibt - da muss man all denen Recht geben, die für Schweizer Modedesign kein Flair haben - auch das andere, nämlich hölzerne und furchtbar konzeptionelle Kreationen.

So gibt es immer wieder Stimmen, die den Schweizer Designern pauschal Verkopftheit und Marktunfähigkeit unterstellen, wie das der „Hebdo" in der Westschweiz vor kurzem tat.

Schweizer Mode ist oft temperiert, mittendrin, nie zu laut, nie zu schrill. Sie ist manchmal tragbar und anständig und wohlangezogen, manchmal aber auch feminin-verzärtelt, ein bisschen verträumt und mädchenhaft. Oft ist sie ein bisschen konventionell, also nahe an der Klassik.

Und nicht selten hat Schweizer Mode auch etwas „Erzieherisches", im Sinne von: Man müsste sich eigentlich so oder so kleiden. Natürlichere Stoffe, weitere Schnitte, zeitloserer Stil. Schweizer Mode ist aber fast nie nur Mode, einfach lässig.

Dazu kommt, dass Schweizer Mode nun einmal in sehr kleinen Marktnischen zu Hause ist. Auf dem Weltmarkt spielt sie keine bedeutende Rolle, daran ändert auch das international bekannteste Label aus St. Gallen nichts, Akris. Das hat mit den Stoffen zu tun, aber auch mit der Handwerkskunst. Wenn dieses Handwerk noch aus der Schweiz kommt, dann ist Schweizer Mode halt ganz schnell sehr teuer.

Gegen die grossen internationalen Ketten sind die Schweizer Designer darum fast chancenlos, das sind ganz andere Betriebsgrössen. Nur Strellson mischt etwas weiter vorne mit.

Die meisten Schweizer Designer arbeiten darum heute in eigenen Ateliers und Läden, meist in den grösseren Städten, wo es für sie am profitabelsten ist. In den Kleinstädten haben sie einen schweren Stand. Und man sieht sie auf Bühnen für regionales Modeschaffen wie der Mode Suisse, die zwei Mal im Jahr in Zürich und Genf stattfindet.

Weitere Termine noch vor Weihnachten sind die „Blickfang" im Kongresshaus Zürich am nächsten Wochenende oder die Luzerner Designtage „Design schenken" vom 6. bis 8. Dezember.

Autor/in: Jeroen van Rooijen