Slim Fit – Männer zeigen Figur

Die Männermode hat sich in den letzten Jahren nur in eine Richtung entwickelt: immer schlanker. Hatten Hosen, Hemden und Sakkos früher auch in Normalgrössen noch viel Bewegungsreserve, so findet man heute nur noch «slim fit», also auf den Körper geschnittene Mode.

Karl Lagerfeld ist der prominenteste Anhänger der Slim-Fit-Fashion.
Bildlegende: Karl Lagerfeld ist der prominenteste Anhänger der Slim-Fit-Fashion. key

Mehr und mehr Männer gehen heute ins Fitnesscenter und versuchen, auch jenseits der 40 oder 50 Jahre fit und in Form zu sein insofern ist die schmal geschnittene Mode folgerichtig. Die Männer wollen heute auch sexy aussehen. Die neuen Erfolgstypen sind fit und drahtig, der dicke Manager mit Zigarre ist total aus der Mode gekommen.

Die Fachwelt ist allerdings noch uneins bezüglich der Frage, welchen Designer man als Urheber der Slim-fit-Welle in die Modegeschichte eintragen soll Raf Simons oder Hedi Slimane. Beide haben Mitte der neunziger Jahre diese Silhouette gezeigt, Raf Simons etwas früher als Slimane, aber Slimane hatte damit bei Dior Homme den grösseren Erfolg und hat die schmale Skinny-Silhouette für den Mann international salonfähig gemacht.

Trendsetter Lagerfeld
Nicht unterschätzen darf man auch den Einfluss des Modezars Karl Lagerfeld, denn dieser ist als weltweit bekannte Persönlichkeit natürlich der viel grössere Multiplikator für die schmale Silhouette. Man erinnert sich: Karl Lagerfeld hat sein Körpergewicht in den Jahren 2000 bis 2001 fast halbiert, um in die schmalen Anzüge von Hedi Slimane zu passen, die damals sehr fashionable waren.

Die schmale männliche Silhouette hat auf breiter, kommerzieller Basis zehn Jahre gebraucht, um sich durchzusetzen. Und sie kommt vielen Männern jetzt noch neu vor. Bis die letzten Bastionen erobert sind, wird die Tendenz anhalten. Und auch wenn es jetzt eigenartig klingt: Es besteht noch Steigerungspotenzial. Lagerfeld trägt seine Hosen bekanntlich eng wie Leggings. Und dann gibt es auch noch Stretch, wie es die sehr modischen japanischen Herren heute schon tragen, die wirklich teilweise Leggings den Vorzug geben.

Tschüss Bewegungsfreiheit
Allerdings kippt der Look, wenn man sieht, dass sich ein Mann in seinen engen Sachen nicht mehr locker bewegen kann. Wenn das Hemd derart über dem Bauch spannt, das man fürchten muss, dass einem gleich die Knöpfe um die Ohren fliegen. Wenn man die Hände nicht mehr nach vorne ans Lenkrad legen kann, weil die Ärmel des Jacketts so eng geschnitten sind. Wenn die Rückenmittelnaht so spannt, dass sie fast reisst. Wenn man im Schritt der engen Hose schon das Osterfest erkennen kann. Oder wenn Männer nach dem Aufstehen erst einmal mit den Füssen stampfen müssen, damit die schmalen Hosenbeine wieder nach unten rutschen.

Eine Frage des Budgets
Absurd scheint vielen Männern auch, dass Slim Fit meistens teurer als normal geschnittene Mode ist, und zwar, weil diese modischere Kleidung tendenziell von den teureren Markenherstellern gemacht wird. Es muss härter an der Passform gefeilt werden, es braucht besser abgestufte Gradierungen im Schnitt. Das alles verteuert ein Kleidungsstück mehr als ein paar Zentimeter Stoff.

Von Slim Fit abraten muss man all jenen untrainierten, etwas schwammigen Männern, welche der freien Entfaltung der Natur statt dem Workout den Vorzug geben und zum mediterranen Figurmodell der Aubergine tendieren: oben und unten schmal, in der Mitte rund. Für diesen Typus ist Slim fit eine echte Herausforderung. Trotzdem gibt es Slim fit auch in XL-Grössen, denn auch ein korpulenter Typ sieht in einem gut geschnittenen Slim-Fit-Hemd besser aus als in den zeltartig weit geschnittenen Modellen von früher.

Autor/in: Jeroen van Rooijen