Stilikone James Bond

Am 23. Oktober, ist das Datum der Weltpremiere von "Skyfall", dem neuesten Abenteuer von James Bond. Es ist seine 23. Mission, und dies im 50. Dienstjahr. James Bond ist eine Ikone der Männlichkeit, ein Trendsetter und ein Abbild des Zeitgeistes der jeweiligen Epoche, in der er die Welt rettet.

Trendsetter James Bond?
Bildlegende: Trendsetter James Bond?

Bond wird, wie schon in seinem letzten Abenteuer, Anzüge von Tom Ford tragen. Der Texaner hat Bond-Darsteller Daniel Craig wie schon im letzten Film "Quantum of Solace" eine komplette Garderobe inklusive der Bond-typischen Anzüge geschneidert. Tom Ford hat die prestigeträchtige Ausstattung des Geheimagenten von Brioni übernommen, welche Bonds Erscheinung die letzten zehn Jahre entscheidend geprägt hat.

James Bond einzukleiden bringt nicht nur Werbewirkung, sondern kostet einen Haufen Geld 45 Millionen Dollar, ein Drittel des gesamten Filmbudgets, bringen Sponsoring und Product Placement ein. Tom Ford dürfte auch nicht nur ein paar Tausend Franken dazu beigetragen haben.

Früher wars günstiger
Das war indes nicht immer so teuer. Seinen ersten Anzug bekam James Bond auf der Savile Row, bei einem zwar angesehenen, aber recht traditionellen Schneider namens Anthony Sinclair, der den jungen Boxer und Bodybuilder Sean Connery 1962 für den Einsatz gegen "Dr. No" einkleidete.

Sinclairs Anzüge haben Bonds Image für immer geprägt: 007 trägt in aller Regel einreihige, auf zwei Knöpfe geschlossene und schmal geschnittene Anzüge. Bond blieb seinem ersten Schneider übrigens länger treu als all seinen Gespielinnen und liess seine Anzüge während zehn Jahren bei Sinclair in London herstellen.

Der Klassiker
Bekannt wurde James Bond vor allem im Smoking, also im schwarzen Abendanzug mit weissem Hemd und Fliege. Die meisten Männer haben so etwas nicht mal im Schrank, sondern mieten einen Smoking, wenn sie an ein grosses Fest müssen. Bond mietet natürlich nicht.

Er hat seinen eigenen Tuxedo, denn Bonds Smoking entspricht auf den ersten Blick zwar exakt den Konventionen der klassischen Abendgarderobe allerdings mit einer kleinen Ausnahme: Bonds Anzug hatte ursprünglich zwei Rückenschlitze, was vom Standard abweicht, denn Smokings haben meist gar keinen Schlitz. 007 ist eben überdurchschnittlichen aktiv und brauchte Bewegungsfreiheit ...

Trendsetter
Bond hat immer auch neue Trends gesetzt. Ganz am Anfang sorgte damals der braune dreiteilige Anzug (von Anthony Sinclair) für Diskussionen, weil diese Farbe damals für Tagesanzüge noch unüblich war. Als exotischer Ausreisser aus Bonds zeitlos-eleganter Erscheinung ist der hellblaue Frottée-Strampelanzug aus Goldfinger (1964) in Erinnerung.

Nur ein Mann, der keinen leisen Zweifel an seiner Männlichkeit hat, konnte so etwas anziehen. Als schlimmer Missgriff - besetzungstechnisch wie stilistisch war auch George Lazenby Ende der Sechziger Jahre mit "On her Majesty's Secret Service". Lazenby trug einen Smoking mit Spitzrevers - für Traditionalisten ein Sakrileg! - sowie als einziger Bond einen Hemd mit übertriebenen Rüschen.

Gute Marken
Zu Roger Moores Zeiten wurden 007's Hosenbeine weiter und die Revers breiter. Typisch für jene Zeit waren auch deutlich längere Hemdkragen. Als exotischstes Outfit dieser Zeit gilt ein braun kariertes Jackett, dass Bond in "The man with the golden gun" (1974) zum Showdown mit Scaramanga auf der Insel trägt und schmale, abfallende Schultern hat.

Die Outfits dieser Zeit waren von einem englischen Prominenten-Schneider namens Cyril A. Castle  und später von Angelo Vittucci in Rom, der sein Handwerk bei Brioni gelernt hatte und 1963 sein eigenes Label "Angelo, Roma" gründete, das heute weitgehend in Vergessenheit geraten ist.

Hin und wieder auf Abwegen
In den Achtziger Jahren treib Bond es noch viel schlimmer. Zwar wurde sein Look in den frühen Achtziger Jahren zuerst etwas klassischer Roger Moore nahm für "For your Eyes Only" (1981), "Octopussy" (1983) oder "A view to a kill" (1985) Abstand von allzu modischen Gags und liess seine Anzüge in bester Connery-Manier auf der Savile Row bei Douglas Hayward nähen, der auch für Clint Eastwood, Tony Bennett oder Michael Caine arbeitete.

Mit Timothy Dalton (1987 bis 1989, "The Living Daylights" und "Licence to kill") ging's dann aber stilistisch abwärts. Retrospektiv war es sogar ein wenig Verrat an der Figur, dass der Darsteller damals in "Power Suits" mit den zeittypischen breiten Schultern und tiefgezogenen Revers herumstolzierte, statt wie gewohnt in schmalen, gut sitzenden Anzügen die Welt zu retten.

Dalton wusste wenig zu gefallen
Unangenehm fallen auch die viel zu baggy geschnittenen Hosen auf sowie die Tatsache, dass Dalton seine Anzüge oft ohne Krawatten trug, mit offenem Hemdkragen. Interessanterweise ist auch wenig bekannt darüber, wer diese textilen Verbrechen herstellte.

Mit Pierce Brosnan ging es ab 1995 outfittechnisch wieder aufwärts. Man setzte wieder auf wertige Klassik. Für "Goldeneye" holte man den römischen Edelschneider Brioni an Bord allerdings sehen die bedruckten Krawatten aus dieser Zeit inzwischen altbacken aus.

Craig prägt einen neuen Stil
Als bestes Outfit dieser Zeit beurteilen Bond-Kenner heute den dunkelgrauen Wollanzug, den Bond 1999 in The World is not in enough" in Bilbao trägt obwohl es ein aus heutiger Sicht veralteter "Dreiknöpfer" ist.

Die Messlatte für Daniel Craig liegt also wiederum hoch. Bond ist ein Stil, und das weiss sein Ausstatter Tom Ford sehr wohl. Dieser Stil wurde früh geprägt, von Sean Connery und den Sixties. Bond trug in den Sechziger Jahren niemals einen Gürtel zu seinen Anzügen, und auch keine Hosenträger. Stattdessen hatten seine Hosen elastische Tunnelzüge oder, wie heute noch, seitliche Riemen zur Justierung der Bundweite.

Diese Details greift Tom Ford nun mit seinen Kreationen für Daniel Craig wieder auf. Die Hemden, die Bond in den sechziger Jahren trug, hatten nie eine Brusttasche, was ausgesprochen amerikanisch gewesen wäre - und solche Details berücksichtigt Tom Ford heute auch. Das ist gut so. Doch die Geschichte zeigt: Bond kann seinen Ausstattern eine Zeit lang treu sein, doch er wird sich eines Tages wieder neu verlieben.

Autor/in: Jeroen van Rooijen