Top und Flop: Die Stilnoten für Sotschi

In Sotschi wird um Medaillen gekämpft und auch um Ehre und Reputation der Länder, die ihre Athleten zu den Wettkämpfen geschickt haben.  Dabei spielt das Outfit eine nicht unwesentliche Rolle. Die Eröffnungszeremonie in Sotschi bot einen guten Überblick über die Ambitionen der 88 Länder.

Die deutschen Athleten bei der Eröffnungsfeier in Sotschi.
Bildlegende: Die deutschen Athleten bei der Eröffnungsfeier in Sotschi. Keystone

Am allerschicksten sahen mit Sicherheit die Franzosen aus sie trugen sehr modische, dunkelgraue Vestons, die wattiert und abgesteppt waren ... das sah schwer nach Moncler aus. Monaco konnte etwa mithalten. Auch recht chic waren: Dänemark in einer Art Nadelstreifen-Jacken, Kanada mit hübschen kurzen Dufflecoats, Irland in einem eleganten Moosgrün und Andorra mit einer Art Norwegerpullis.

Für gewisse Länder scheint es unverzichtbar, dass sie ihre Landesfarben wählen. Die Griechen liefen in Knallhellblau herum, obwohl das keine sehr kleidsame Farbe ist. Die Holländer hatten Orange an, aber zum Glück nur als Zwischenschicht, sonst wär‘s auch schwer anzuschauen gewesen.

Bestenfalls okay waren die Italiener anzuschauen die grosse Stilnation blieb klar hinter den Erwartungen zurück. Auf Nummer sicher gingen auch die Engländer in dunkelblauen, wattierten Sportjacken. Etwas fantasielos zeigten sich die Österreicher, in banalen roten Parkas. Ratlos war man auch angesichts der Argentinier in Schwarzgrau vielleicht hat man dort schon vorab alle Medaillenhoffnungen begraben und setzt auf den Fussball im Sommer? Auch kein rechtes Ruhmesblatt: Das offizielle Olympia-Outfit der Russen.

Vermutlich hat eine als Hobbyschneiderin im Kreml tätige Schwägerin von Putin das Outfit der Russen entworfen, denn das knielanger Samichlaus-Mänteli mit Kunstpelzrändern sieht ganz und gar fantasielos aus. Dagegen wirkten sogar die Spanier in ihren komischen Polizeikadetten-Uniformen noch modern, obwohl das auch ein Schuss in den Ofen war.

Schweizer tragen Uniform des Mittelstands
Sotschi wird aber auch für die Schweiz nicht als Glanzmoment in Erinnerung bleiben zumindest modisch nicht. Die helvetischen Athletinnen und Athleten sehen in den grauen Hoodies und den roten Nylonjacken aus, als seien sie direkt vom Weekend auf dem Sofa nach Sotschi aufgebrochen, ohne dabei ein bisschen stilistische Ambition einzupacken.

Was sie tragen, ist leider nicht mehr als ein gutschweizerischer Kompromiss. Diese Kleider erinnern in ihrer sub-urbanen Gemütlichkeit und Beliebigkeit an die Uniform des Mittelstandes in der Agglomeration: Kapuzen- oder Lederjacke, dazu Turnschuhe und Jeans. 320 Schweizer Olympia-Gesandte laufen dieser Tage  an den Spielen so herum ein beträchtlicher Imageschaden für die Schweiz!

Den Vogel abgeschossen haben aber unsere nördlichen Nachbarn. Dieser verquirlte Regenbogen der Deutschen ist nun doch ein handfester Designunfall. Das steht optisch etwa auf gleicher Stufe wie der gemischte Farbensalat von Liechtenstein oder das echt kuriose Outfit der Ukraine.

Autor/in: Jeroen van Rooijen