Zahlen – aber bitte mit Stil!

Wieder eine neue Methode, wie man bargeldlos zahlen kann, eigentlich braucht man das Portemonnaie also heute gar nicht mehr. Und doch haben wir alle eines dabei, denn der Geldbeutel ist natürlich viel mehr als der Ort, wo man sein Bares hat. Es ist ein Stück Identität und oft auch eine schwere Last.

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Das erste eigene Portemonnaie vergisst man nie. Weil es ein wichtiger Moment des Aufwachsens ist, wenn man das erste Mal Herr über seine Reserven ist und diese mit sich herumträgt. Das erste Portemonnaie ist darum auch immer ein Statement betreffend des Lifestyles, den man vor Augen hat. Es muss für Jugendliche bunt, anders und cool sein zu den gewöhnlicheren und teureren Leder-Geldbeuteln kommt man erst später im Leben, so etwa ab 20.

Geld und Co

Und natürlich wird das Portemonnaie bald mehr als das Reservoir für das Geld. Es kommen allerhand Mitglieder- und Kundenkarten dazu, das Abo vom Fitnesscenter und die Visitenkarte vom Tierarzt, oft auch das eine oder andere Passfoto von seinen Liebsten, die Kontokarte, die Kreditkarte, ein Stapel von wichtigen Notizen und Quittungen, bis man eine überbordende Zettelwirtschaft mit sich führt, die umfangreicher ist, als der Geldbeutel eigentlich aushalten kann.

Vielleicht ist es ja ein gutes Zeichen, was unseren Wohlstand betrifft, aber aus äshtetischer Sicht ist es kein besonders schönes Merkmal: Die meisten Portemonnaies sind deutlich zu dick unabhängig davon, ob sie Männer oder Frauen gehören. Sie leiden an einem Zuviel an Karten und Papierzeugs, das man kaum täglich braucht, im Zweifelsfall aber gerne dabei haben möchte.

Fettleibige Geldbeutel

Unsere Geldbeutel leiden an Fettleibigkeit, und dagegen sollte man etwas tun. Entweder man versorgt das dicke Ding permanent in der Handtasche und vermeidet es, das Portemonnaie auf sich zu tragen. Frauen haben ja immer eine Handtasche dabei. Allerdings stehen nun die Männer vor ein Problem, denn sie fühlen sich nicht als rechte Kerle, wenn sie ihr Portemonnaie nicht «auf Mann» tragen. Da gibt es also nur eines: Abspecken, und zwar radikal.

Die Lösung

Man packt die vier wichtigsten Karten für den täglichen Bedarf in ein kleines, flaches Portefeuille, legt ein paar grosse Noten dazu und basta. Den grossen Rest der Karten, die man nur selten braucht, kann man ins Smartphone einscannen. Ein solch entschlacktes Etui kann man auch gut in einer Jackentasche tragen, ohne dass es die Jacke schräg zieht oder ausbeult.

Nie und nimmer steckt man aber sein Portemonnaie in die hinteren Gesässtasche, weil das nicht nur die Silhouette des Hinterteils und den Geldbeutel ruiniert, sondern auch zu Haltungsschäden führt, wenn man tagelang wie eine brütende Henne auf seinem Portemonnaie sitzt. Das Münz hat man in einem separaten kleinen Fach lose in der Hosentasche. Alles, was kleiner als fünfzig Rappen ist, lässt man als Trinkgeld sowieso dort, wo man das Wechselgeld bekommen hat.

Ein Wort noch zum Zahlen: Es hat eher wenig Charme, also tut man es immer mit der grösstmöglichen Nonchalance und Beiläufigkeit. Debit- und Kreditkarten sind ab etwa zwanzig Franken einzusetzen. Sonst sind riesengrosse Noten ebenso zu vermeiden wie minutenlanges Zusammenklauben kleiner Münzen. Und nie und nimmer wird im Restaurant die Rechnung umständlich in einzelne Teilnehmer der Tischrunde aufgesplittet. Wenn man zusammenlegt, dann nach einem Schlüssel, der so einfach und grosszügig wie nur möglich ist.

So geht das.

Autor/in: Jeroen Van Rooijen, Redaktion: Jeroen Van Rooijen