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Tacho - das Automagazin Weltmeister und Stuntmen in Oerlikon

Die offene Rennbahn Oerlikon hat eine bewegte Vergangenheit. Die älteste noch in Betrieb stehende Sportanlage der Schweiz erlebte Höhenflüge und stand kurz vor dem Abriss. Engagierte Unternehmer versuchen bis heute, an den Glanz früherer Zeiten anzuknüpfen – mit steigendem Erfolg.

Nach gerade mal fünf Monaten Bauzeit wird 1912 die offene Rennbahn in Oerlikon eingeweiht. Die weltweit erste Spannbetonkonstruktion war für damalige Verhältnisse ein Meisterwerk und ist heute die älteste in Betrieb stehende Sportanlage der Schweiz.

Sieben Radweltmeisterschaften wurden auf der 333 Meter langen Bahn ausgetragen und viele Stars der damaligen Szene gehörten zu den Stammgästen, unter anderem die Schweizer Überflieger Hugo Koblet und Ferdy Kübler.

Im Schatten des Hallenstadions

Doch die offene Rennbahn hatte einen grossen Nachteil: Das Wetter machte den Plänen der Veranstalter nicht selten einen Strich durch die Rechnung. Schon bei wenig Regen war die Bahn mit über 40 Prozent Neigung unbefahrbar und die Rutschpartie Programm. Mit zunehmender Professionalität der Rennen konnten sich die Veranstalter keine Unsicherheiten im Betrieb mehr leisten.

In den Vierziger- und Fünfzigerjahren verschwand die offenen Rennbahn immer mehr im Schatten des neu gebauten Hallenstadions samt gedeckter Rennbahn. Dieses musste sich ausserdem nicht ausschliesslich vom Rennsport finanzieren und war kommerziell attraktiver.

Legende: Video 1972: Stunt-Show auf der offenen Rennbahn Oerlikon abspielen. Laufzeit 04:30 Minuten.
Aus Tacho vom 06.11.2017.

Boxkämpfe und eine Stuntshow

1951 übernahm nach mehreren Besitzerwechsel die Stadt Zürich das Beton-Oval, wusste aber nicht recht, was damit anzufangen ist. Von Umbauten zum Eishockeystadion oder zu einem polysportiven Komplex und sogar dem Abriss war die Rede. Letzterer kam nicht zum Zug, da die Bausubstanz von den zuständigen Beamten von Jahr zu Jahr als solide befunden wurde.

In der Zwischenzeit wurde neben den Radrennen auch andere Veranstaltungen auf dem Gelände ausgetragen. Dazu gehörten Boxkämpfe und 1972 sogar eine Stunt-Show.

Ungewisse Zukunft

Seit 2002 kümmert sich die «Interessengemeinschaft offene Rennbahn» um die alte Dame. Mit den regelmässigen Dienstagabend-Rennen erinnert sie an die Blütezeit der mittlerweile über 100-jährigen Rennbahn. Doch auch Militärräder, historische Rennautos, Inlineskater und Harley-Davidsons dürfen ihre Runden drehen und ziehen regelmässig ein grossen Publikum an.

Für die Organisatoren und Fans hat die Rennbahn schon längst Kultstatus erreicht. Trotzdem bleibt ihre Zukunft ungewiss. Unter Denkmalschutz kann sie nicht gestellt werden, da sie den klassischen Richtlinien dafür nicht entspricht.