Zwei Räder. Eine Messe.

Vier Tage lang drehte sich die Welt auf dem Zürcher Messegelände um zwei Räder. Vom grössten Motorradreifen der Welt über die skurrilsten Töffs an der Custom-Show: Die Swiss-Moto 2017 hatte einiges zu bieten.

Die grösste Schweizer Motorradmesse öffnete am Wochenende ihre Tore zum 14 Mal. Über 70 000 Töff-Begeisterte liessen sich das Spektakel in der Messe Zürich nicht entgehen. Begrüsst von einem fahrenden Alleinunterhalter mit Gitarre und Schlagzeug trampelten sich bereits am Donnerstagmorgen die Töff-Fans auf den Füssen rum. Um Punkt 10 Uhr fiel der erlösende Startschuss und die Drehkreuze kamen kaum mehr zum Stillstand.

Ein Metzger auf Rekordkurs

In sieben Hallen und vier Stockwerken reihten sich hunderte Motorräder neben- und hintereinander. Chopper, Cross- und Rennmaschinen: Alles was die motorisierte Zweirad-Welt auf Lager hat, war da. Die Aussteller buhlten um jeden Besucher – meistens mit lauten Auspuffanlagen, Musik, Flyern oder, wie im Fall vom KR-Raceteam, mit Salami.

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Ein Metzger auf Rekordkurs

2:22 min, vom 23.2.2017

Dafür verantwortlich war Tiziano Vescovi. Der Tessiner aus dem Bleniotal ist Metzger und hat sich für den Sommer 2017 ein ehrgeiziges Ziel gesteckt: Mit seinem «Naked Bike» – einem Motorrad ohne Verschalung – will er den aktuellen Geschwindigkeitsrekord in der Salzwüste von Utah brechen. Dieser beträgt 269 Kilometer pro Stunde. «Das entspricht rund 450 km/h auf Asphalt», sagt Ralph Ruckstuhl, Chef des KR-Raceteams.

Das konstante Durchdrehen des Hinterrades verunmögliche eine noch schnellere Fahrt mit dem nackten Töff auf dem körnigen Untergrund. Viel Material hatte das Motorrad nicht dran. Und trotzdem verriet der Chef, dass bereits zwischen 150 000 und 180 000 Franken drin steckten. Was so teuer dran ist und welches Geheimrezept er für den Weltrekord hat, wollte er aber nicht sagen.

Schwierigstes Motorradrennen der Welt

Am Mittag vergnügten sich bereits die ersten Gäste im hauseigenen Irish Pub. Zufall oder nicht, dieses stand unmittelbar neben der Irish Road Racing Ausstellung rund um den legendären Strassenmotorrad-Rennfahrer Joey Dunlop. Vor Ort waren sein Sohn Gary und Neffe William – beides Motorradrennfahrer. Sie hatten eine private Sammlung persönlicher Rennmotorräder, Ausrüstungen und seltener Pokale des «King of the Roads» dabei.

«Man könnte meinen, Strassenmotorrad-Rennfahrer seien ein Haufen Durchgeknallter», so Gary Dunlop, «aber ganz im Gegenteil: An der Isle of Man TT fährt nur, wer besonders verantwortungsbewusst und klar im Kopf ist». Er selber hat nach dem Unfall seines Vaters über zehn Jahre lang kein Rennen mehr bestritten. Seit letztem Jahr tritt er aber wieder an.

Arab Diamond

Alle, die wissen wollten, wie sich ein irisches Strassenmotorrad-Rennen anfühlt, konnten dies im Isle of Man Simulator erfahren. Auf Michael Dunlops Rücksitz – ein weiterer bekannter Name der Dunlop Dynastie – ging's dann mit einem Affenzahn einmal über die Strecke der Isle of Man TT. Nicht geeignet für alle, die gerade das Irish Pub verlassen haben.

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Arab Diamond

1:54 min, vom 20.2.2017

Ruhiger aber nicht weniger spektakulär ging es bei Hasan Alblooshi zu. Der Mann aus Dubai war unterwegs mit einem Motorrad, das die Welt so noch nie gesehen hat. Man musste zweimal hinschauen, um zu verstehen, wo vorne war. Beim Arab Diamond dreht sich der grösste Motorradfelgen der Welt – und das ganz ohne Nabe oder Speiche.

Auch die Lackierung sei ein Unikat, so der deutsche Lackierer Danny Schramm. Es sei aber vor allem eine grosse Herausforderung gewesen, eine Arbeit in vier Tagen zu erledigen, wofür er normalerweise Wochen gebraucht hätte. Doch der enge Zeitplan und die Ausstellungstermine drängten.

Ein Tag an der Swiss-Moto reichte kaum, um alles zu sehen, auf jeden Töff zu sitzen und bei allen Shows dabei zu sein. Unterhaltsam war es auf jeden Fall und neugierig auf das nächste Jahr ist man jetzt schon.

Joey Dunlop

William Joseph Dunlop war ein britischer Motorradrennfahrer. Er war bereits zu Lebzeiten als «King of the Roads» betitelt worden. Seinen legendären Status erreichte er vor allem durch den 26-maligen Gewinn der Isle of Man TT, die als schwierigstes Motorradrennen der Welt gilt. Im Jahr 2000 verunglückte er bei einem Rennen in Talinn tödlich.