Kurt Koch: «Lefebvristen müssen Vatikanum II akzeptieren»

  • Dienstag, 27. Januar 2009, 13:00 Uhr
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    • Dienstag, 27. Januar 2009, 13:00 Uhr, DRS 1 und DRS 4 News
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    • Mittwoch, 28. Januar 2009, 0:35 Uhr, DRS 4 News
    • Mittwoch, 28. Januar 2009, 4:33 Uhr, DRS 4 News

Die Schweizerische Bischofskonferenz hat die Wiederaufnahme von vier Bischöfen der Lefebvre-Bruderschaft in die Kirche begrüsst. Der Weg für eine Versöhnung sei eröffnet, aber er werde lang, sagt Bischof Kurt Koch.

«Der Akt der Aufhebung der Exkommunikation der vier Bischöfe ist noch keine Versöhnung, sondern es ist der Anfang eines schwierigen Weges», sagte Koch, der die Schweizerische Bischofskonferenz präsidiert, gegenüber Schweizer Radio DRS.

Lefebvristen müssen sich modernisieren

Insbesondere müsse über die Differenzen gesprochen werden, in erster Linie über das zweite vatikanische Konzil. Die Lefebvre-Anhänger lehnen dieses Konzil ab, das die römisch-katholische Kirche in den 1960er-Jahren modernisiert hatte, indem es die lateinische Messe abschaffte und sich zur Ökumene bekannte.

Die Bischöfe müssten dieses Konzil klar anerkennen: «Man kann nicht in der katholischen Kirche sein, ohne eine solch grundlegende Basis zu akzeptieren», betont Koch.

Holocaust-Leugner
Der Entscheid des Papsts sorgte auf der ganzen Welt für Empörung, weil einer der vier Bischöfe, der Brite Richard Williamson, mehrmals öffentlich den Holocaust an den Juden geleugnet hatte.

Der Vatikan meldete, es handle sich dabei um eine private Meinungsäusserung. Koch aber meint, «es ist völlig inakzeptabel, dass ein römisch-katholischer Bischof einen solchen historischen Unsinn vertritt.»

In Dialog mit Juden treten
Allerdings hat bei den Lefebvristen eine gewisse Judenfeindlichkeit Tradition, so propagierten sie in letzter Zeit beispielsweise ein Gebet für die Bekehrung der Juden, in dem von ihnen gefordert wird, sie sollen sich für den Mord an Christus entschuldigen.

Mit der Bekenntnis zum Vatikanum II wird von den Lefebvristen laut Koch gefordert, dass sie sich zum Dialog mit den Religionen, im Speziellen mit den Juden, bekennen. Sie müssten zu dem positiven Verhältnis der römisch-katholischen Kirche zum Judentum ja sagen können. «Der Ball liegt nun bei ihnen, der Papst hat alle Schritte gemacht, die er konnte», sagt Koch.

Bruderschaft Pius X.
Am Samstag hatte der Papst die Exkommunikation der vier Bischöfe aufgehoben. Sie gehören der abweichlerischen Bruderschaft Pius X. mit Sitz in Ecône im Unterwallis an. Die Priesterbruderschaft war vom französischen Erzbischof Marcel Lefebvre Ende der 1960er-Jahre gegründet worden. Die Bischöfe waren vor 20 Jahren ohne päpstliche Zustimmung von Lefebvre geweiht worden.

Lefebvre hatte sich gegen die Reformen des zweiten vatikanischen Konzils aus den sechziger Jahren gewandt, darunter die Feier der Messe in der jeweiligen Landessprache anstatt in Latein und die Ökumene wies er als Irrweg des Glaubens zurück. Auch den Dialog mit anderen Religionen lehnte er strikt ab.

Ausschluss aus der Kirche

Lefebvre wurde in den siebziger Jahren zunächst vom Bischofsamt suspendiert und 1988 gemeinsam mit den vier von ihm geweihten Bischöfen von Papst Johannes Paul II. exkommuniziert. Lefebvre starb 1991. Seither wird die Bruderschaft vom 52-jährigen Schweizer Bernard Fellay geleitet.

Der Präsident der Schweizerischen Bischofskonferenz, der Basler Bischof Kurt Koch, war Gast von Emil Lehmann.