Sevim Dagdelen – Deutschland, die EU und die Türkei

  • Montag, 14. November 2016, 13:00 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Montag, 14. November 2016, 13:00 Uhr, Radio SRF 1 und Radio SRF 4 News
  • Wiederholung:
    • Montag, 14. November 2016, 20:33 Uhr, Radio SRF 4 News
    • Dienstag, 15. November 2016, 2:33 Uhr, Radio SRF 4 News
    • Dienstag, 15. November 2016, 4:33 Uhr, Radio SRF 4 News

Sevim Dagdelen ist deutsche Bundestagsabgeordnete für «die Linke» und dort Sprecherin für Internationale Beziehungen. Sie ist der Ansicht, die deutsche Regierung und die EU hätten sich der Türkei unterworfen. Im Gespräch mit Ivana Pribakovic erläutert sie die Gründe.

Sevim Dagdelen. Portraitbild.
Bildlegende: Sevim Dagdelen. Wikimedia.com/Niels Holger Schmidt

Zehntausende sitzen zurzeit in der Türkei in Untersuchungshaft, zehntausende Lehrkräfte und hunderte Universitätsrektoren wurden suspendiert, Journalisten und und Politikerinnen der Opposition sitzen im Gefängnis. Die türkische Regierung denkt laut über die Einführung der Todesstrafe nach, Zeitungen werden geschlossen – die Liste liesse sich verlängern. Sie stelle in der Türkei eine schleichende Islamisierung fest, sagt Sevim Dagdelen. Es würden zum Beispiel massiv mehr Moscheen gebaut, Frauen würden wieder mehr Kopfbedeckungen tragen, Alkoholgenuss werde mehr und mehr gesellschaftlich geächtet.
Die EU zeigt sich «sehr beunruhigt», hat die Beitrittsverhandlungen mit der Türkei aber bis jetzt nicht gestoppt. Als Tochter kurdischer Einwanderer beurteilt Sevim Dagdelen nicht nur Premier Erdogans Politik kritisch. Sie findet, Deutschland und die ganze EU kuschten vor der Türkei – wegen des Flüchtlingsdeals und der strategischen Bedeutung der Türkei im Nahen Osten. «Die deutsche Kanzlerin vollzieht einen Ausverkauf demokratischer Werte.» Sie frage sich: «Was braucht es noch, um die Beitrittsgespräche mit der EU zu stoppen?»

Literatur: Sevim Dagdelen: «Der Fall Erdogan. Wie uns Merkel an einen Autokraten verkauft». Westend Verlag, Frankfurt am Main.

Moderation: Ivana Pribakovic