60 Jahre Ungarn-Aufstand: Wie die Schweiz zur neuen Heimat wurde

Am 20. November 1956 um 11:30 Uhr stand das Leben in der Schweiz für drei Minuten still. Man gedachte der Opfer des Volksaufstandes in Ungarn. Die Solidarität mit den Flüchtlingen war gross. Rund 14'000 Ungaren fanden in der Schweiz ein neues Zuhause. Im «Treffpunkt» erinnern sich Betroffene.

Ungarische Flüchtlingsfamilie.
Bildlegende: Eine ungarische Fluechtlingsfamilie aus einer Gruppe von 118 Fluechtlingen, die mit einem Transport eintrafen, bei der Verpflegung an der Schweizer Grenze in Buchs SG, aufgenommen am 8. November 1956. Keystone

Nach dem Zweiten Weltkrieg stand Ungarn unter der Obhut der Sowjetunion. 1956 wollte sich das Volk aus dieser Unterdrückung lösen. Am 23. Oktober begann mit einer Grossdemonstration in Budapest der ungarische Volksaufstand. Im November schlug die Sowjetarmee die Aufstände blutig nieder. Rund 200'000 Ungaren verliessen das Land. In der Schweiz wurden die ungarischen Flüchtlinge mit offenen Armen empfangen. Betroffene erinnern sich.

Gabor Ugron aus Wollerau (SZ)

Der heute 76-jährige Gabor Ugron aus Wollerau (SZ) kam 1956 zusammen mit den ersten Flüchtlingen in die Schweiz. Die erste Zeit verbrachte er in einem Auffanglager in Lausanne, dann kam er zu einer Familie nach Luzern: «Ich hatte Glück, die Familie war wie meine eigene», sagt er. Heute ist Gabor Ugron Präsident des Vereins ungarischer Ingenieure und Architekten in der Schweiz.

Eva Keller aus Basel

Eva Keller aus Basel kam 1962 als 14-jähriges Mädchen in die Schweiz, wo bereits ihr geflohener Vater lebte. Kurz nach ihrer Ankunft wurde sie von ihrer Familie getrennt und musste nach Deutschland ins Gymnasium: «Man sagte mir, ich würde dort schneller Deutsch lernen als in der Schweiz.» Heute hat Eva Keller ihre Familie, Kinder und Grosskinder längst in der Schweiz.

Moderation: Adrian Küpfer, Redaktion: Krispin Zimmermann