Das Trauma nach der Katastrophe

Zweieinhalb Jahre ist es her, seit Nepal von mehreren Erdbeben erschüttert wurde. Inzwischen sind viele Trümmer beseitigt und die Wiederaufbauarbeiten kommen voran. Was bleibt, sind traumatische Erinnerungen und damit verbunden die psychischen Belastungen.

Eine Frau sitzt in einer Hütte in Nepal und hält Hefte in der Hand
Bildlegende: Das Erdbeben löste in ihr ein Trauma aus. SRF

Bimala Karki verlor durch das Erdbeben ihren Sohn. Er wurde beim Einsturz ihres Hauses getötet. Der Verlust ihres Sohnes löste in Bimala Karki eine tiefe psychische Krise aus. Sie hatte Schlafstörungen, brach in Tränen aus, wenn jemand sie ansprach. «Warum lachen die Menschen um mich herum, warum empfinden sie nicht wie ich?». Diese Gedanken beschäftigten die 42-Jährige, die in einer provisorischen Unterkunft lebt, ununterbrochen.

Psychologische Hilfe, neuer Lebenswille

Dank Mitarbeitern von KOSHISH, einem Partner von CBM Christoffel Blindenmission, wurde Bimala Karki Teil einer Selbsthilfegruppe. Es dauerte noch Monate, bis sie ihre Gefühle und ihre Trauer in Worte fassen konnte. Dank medikamentöser Unterstützung, den Gesprächen in der Gruppe und der Betreuung eines Psychologen fasste die Frau neuen Lebensmut. Sie leitet heute eine Selbsthilfegruppe und möchte Menschen helfen, die Ähnliches durchgemacht haben. Das Selbsthilfeprojekt von KOSHISH ist mit 20'000 Franken aus der «Glückskette»-Sammlung für die Erdbebenopfer in Nepal unterstützt worden.

Noch immer im Provisorium

Die Familie von Bimala Karki lebt noch immer in einer Wellblechhütte neben ihrem zerstörten Haus. Das Geld und die Kraft, um ein neues Haus zu bauen, fehlt. Der verstorbene Sohn sorgte für das Haupteinkommen der heute fünfköpfigen Familie. Diese Rolle übernahm seine Mutter. Bimala Karki bestellt zwei kleine Felder und verkauft das Gemüse auf dem Markt. Sie hofft, dass sie von einer anderen Hilfsorganisation bald Hilfe bekommt.

Autor/in: Ladina Spiess, Moderation: Adrian Küpfer, Redaktion: Ladina Spiess