Ein Hoch auf die (Un-)Ordnung

Die japanische Ordnungspäpstin Marie Kondo löst gerade einen weltweiten Hype ums Aufräumen aus. Radikales Ausmisten und akribisches Kleiderfalten entwickeln sich zu neuen Trendsportarten. Im «Treffpunkt» diskutieren eine Profi-Aufräumerin und ein Philosoph über dieses Ordentlichkeitsideal.

Frau blickt in Kleiderschrank voller Kleider
Bildlegende: Ordnung schaffen im Kleiderschrank entwickelt sich gerade zur neuen Trendsportart. Keystone

Seit die 34-jährige Japanerin Marie Kondo in ihrer «Netflix»-Serie fremden Menschen hilft, ihre Wohnungen aufzuräumen, ist der Kampf gegen Grümpel zur allgemeinen Beschäftigung geworden, zum Gesprächsthema Nummer 1 beim Pausenkaffee und beim Feierabendbier. Millionen von Büchern hat Marie Kondo weltweit verkauft, und auch Schweizer Kleiderschränke werden zunehmend nach der «Konmari»-Methode auf- und eingeräumt.

«Übertriebene Aufräumerei»

«Diese Aufräumerei ist mir suspekt», sagt Yves Bossart, Philosoph und Moderator der SRF-Sendung «Sternstunde Philosophie». Das Aufräumen der eigenen Wohnung sei eine Art Kompensation geworden: «Weil wir das Chaos der Welt nicht ordnen können, ziehen wir uns ins Private zurück und räumen dort auf. Dabei ginge es doch darum, die Welt zu verändern.»

«Ordnung muss sein, aber...»

Helene Karrer, von Beruf Aufräum-Coach, sieht im Ordnen der eigenen Wohnung hingegen viel Positives: «Jeder Mensch braucht einen Rückzugsraum, wo er sich erholen und Kraft tanken kann. In einer unaufgeräumten Wohnung ist das schlicht nicht möglich.» Die Akribie, mit der Marie Kondo ans Werk geht, stellt aber auch sie in Frage. Es gebe keine Ordnungsregeln, die für alle Menschen sinnvoll seien, sagt sie. «Ob Unterhosen in der Schublade gefaltet oder gerollt werden, spielt überhaupt keine Rolle.»

Moderation: Adrian Küpfer, Redaktion: Anna Wepfer