Vorlesen – alles andere als Kinderkram!

Fremde Welten entdecken, Abenteuer erleben, in packende Geschichten versinken: Das alles ermöglicht Literatur, und zwar besonders dann, wenn sie vorgelesen wird. Aber Vorlesen bringt noch viel mehr: Es ist auch Lese- und Schreibförderung für Kinder und stärkt soziale Bindungen.

Grossvater liest zwei Kindern vor
Bildlegende: Kinder, denen vorgelesen wird, haben es später leichter in der Schule. Colourbox

Kinder, denen regelmässig vorgelesen wird, haben es später in der Schule einfacher. Sie lernen schneller lesen und schreiben, haben einen grösseren Wortschatz, verstehen komplexere Erzählungen. Das zeigt die Forschung zum Wert des Vorlesens. «Beim Vorlesen kommen Kinder schon früh auf lustvolle Weise mit Literatur in Kontakt», sagt Barbara Jakob vom Schweizerischen Institut für Kinder- und Jugendmedien. Dadurch falle ihnen der Einstieg ins eigene Lesen später leichter.

Selber lesen ersetzt das Vorlesen nicht

Es sei allerdings ein Irrtum zu glauben, Vorlesen erübrige sich, sobald ein Kind selber lesen kann, sagt Jakob. Im Gegenteil: «Lesen lernen ist für Kinder eine grosse Anstrengung. Da ist es schön, wenn man sie zwischendurch entlastet und ihnen eine vorgelesene Geschichte schenkt.» Selbst 14- und 15-jährigen Teenagern könne man problemlos vorlesen.

Vorlesen hat zudem einen sozialen Aspekt: Vorleserinnen und Zuhörer nehmen sich Zeit füreinander, widmen sich gemeinsam einer Geschichte. Kinder erfahren so Geborgenheit und Aufmerksamkeit und es entstehen starke Bindungen, die Sicherheit geben – zu den Eltern, aber auch zu vorlesenden Grosseltern, Gotten, Göttis und Lehrpersonen.

Moderation: Christina Lang, Redaktion: Anna Wepfer