Wir reden über das Sterben

Der Tod gehört zum Leben und doch fällt es vielen Menschen schwer, darüber zu reden. Besonders junge und kerngesunde Menschen verdrängen das Thema lieber, als damit konfrontiert zu werden. Dabei können Gespräche über den Tod und über das Sterben die Angst davor lindern.

Zwei Hände umfassen im Dunkeln eine grünlich-blaue Kerze.
Bildlegende: Der Tod ist bei uns eines der letzten Tabus. Dabei würde darüber reden vieles erleichtern. Colourbox

«Darüber reden hilft uns, das Unvermeidbare zu akzeptieren», ist Nelly Simmen, Pflegefachfrau mit Spezialisierung auf Palliative Care, überzeugt. Sie bildet Fachleute in Palliative Care aus und weiss, dass teilweise auch Gesundheitspersonal Mühe damit hat, den Tod zu thematisieren. Trotzdem sei es die Aufgabe des Pflegepersonals, das Thema anzusprechen, um entsprechend auf den Patienten eingehen zu können. Dies gilt auch für Angehörige. «Wenn nicht über den Tod gesprochen wird, dann ist das, als werde eine Brücke eingerissen.» Beide Seiten würden mit dem Thema alleine gelassen.

Im Kaffee mit Fremden über den Tod reden
Manchmal ist es auch einfacher, mit Fremden über den Tod zu reden. Aus dieser Idee sind 2004 in der Schweiz die «Cafés Mortels» entstanden – Kaffeerunden, in der über den Tod gesprochen wird. Die Idee des Walliser Soziologen Bernard Crettaz fand schnell Nachahmer in der ganzen Welt. Heute gibt es weitere «Cafés Mortels» in Frankreich, «Death Cafes» in Grossbritannien und in den USA oder «Kaffee Totentanz» in Deutschland. «Über den Tod zu reden kann eine Bereicherung sein», ist Fachfrau Nelly Simmen überzeugt. Der «Treffpunkt» macht den Anfang.

Autor/in: Sandra Witmer, Moderation: Christina Lang