Bestatter: «Ich liebe meinen Job»

Michael (35) verdient sein täglich Brot mit dem Tod – und ist darüber alles andere als unglücklich. Was er als Bestatter genau macht, erzählt er bei «True Talk».

Der Tod als Gesprächsthema

Wenn er auf Partys von seinem Job erzählt, dann reagieren die Zuhörer unterschiedlich, erzählt Michael. «Manche wechseln das Thema oder suchen unauffällig das Weite.» Das findet Michael total in Ordnung – er möchte das Thema Tod schliesslich niemandem aufzwingen. Die Meisten seien aber ohnehin eher interessiert als abgeschreckt. Er sei auch schon gefragt worden, wie viel Realität in der Serie «Der Bestatter» stecke. Diesen Menschen gibt Michael natürlich gerne Auskunft.

Fiktion vs. Realität

In der Serie hat Michael selber schon als Statist mitgespielt und attestiert dem ‚Bestatter’ ein hohes Mass an Authentizität. «Natürlich ist der ganze Krimi-Teil Fiktion. Ich kläre keine Verbrechen auf. Aber vom Job an sich zeichnet die Serie ein sehr realistisches Bild».

Leben vom Tod

Was also macht denn nun ein Bestatter? «Hauptsächlich mit dem Auto herumfahren», sagt Michael und lacht. «Die Überführung von einem Ort zum anderen ist unsere Hauptaufgabe.» Des Weiteren ist Michael dafür zuständig, die Verstorbenen so herzurichten, dass die Angehörigen sie besuchen können - und in Frieden Abschied nehmen. Auch das Schminken und Frisieren gehört manchmal dazu. Und zwei Wochen pro Jahr arbeitet Michael im Krematorium, um auch diesen Aspekt des Todes – und seines Berufes – zu verstehen.

Mitten im Leben

Natürlich sei es nicht immer einfach, sich täglich mit dem Ende der menschlichen Existenz befassen zu müssen. Unter dem Geruch leide er manchmal, sagt Michael, und unter dem Gewicht der Verstorbenen, wenn er sie transportieren müsse. Und: Es gebe Situationen, in denen er auch emotional an seine Grenzen komme. «Einmal wurde ich gerufen, nachdem eine Bekannte von mir Selbstmord begangen hatte. Das war alles andere als einfach. Aber ich bin trotzdem froh, dass ich ihr diesen einen, letzten Dienst erweisen konnte.»

Trotzdem würde Michael keinen anderen Job mehr machen wollen, erzählt er. Denn: «Das eigentlich Zentrale ist es, für die Menschen da zu sein». Für die Toten, indem man sie auf ihrem letzten Weg begleitet und für die Lebenden, indem man in Momenten für sie da ist, in denen sie alleine vermutlich nicht zurechtkämen.

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