Anics Top 5 in Odessa (ОдЕССА)

Suppen, Schnaps, eine komische Sprache und Taxis, welche gar keine sind. Dinge die Anic Lautenschlager bei ihrem Besuch in Odessa geblieben sind. Für «Virus» hat sie die noch ziemlich unbekannte Stadt entdeckt und stellt dir hier ihre fünf Highlights vor.

Anics Top 5 aus Odessa

PECTOPAH verstehen

«Do you speak englisch?», diesen Satz hab ich oft gebraucht. Und genauso oft ein schlichtes «njet» zur Antwort gekriegt. Mit Englisch kommt man in Odessa nur bedingt weit. Gesprochen wird ukrainisch und russisch. Und geschrieben auch. Mein Tipp: Sich von einem Muttersprachler das kyrillische Alphabet entschlüsseln lassen. Wenn man erst mal weiss, dass das russische P ein lateinisches R, das C ein S und das H ein N ist (what the…) versteht man auch, was PECTOPAH heisst.

Suppe (суп) essen!

Eine richtige Borschtsch (борщ) gehört in Odessa dazu. Die Randensuppe gibt’s praktisch in jedem Restaurant, immer serviert mit dem obligaten Schälchen Sauerrahm. Wer suppentechnisch Abwechslung will, dem empfehle ich eine Okroshka (ОКРОШКА), eine kalte Sauerrahm-Suppe mit Radieschen, Gurke, Schnittlauch, Ei und Wurst.

Tipps für die Suppen:
Restaurant Kompot – mitten in der Innenstadt, mit angeschlossener Bäckerei wo man „über d’Gass“ noch ein kleines Dessert mitnehmen kann.
www.kompot.ua

Für feste Nahrung (und den weiter unten erwähnten Meerrettich-Schnaps):
Restaurant Dacha – ein sehr gemütliches Restaurant im Stil der alten russischen Landhäuser. Mit grossem Garten zum Draussen sitzen. Probieren: Ente in Honig-Apfel-Sauce (Kostenpunkt: etwa 8 Franken)
www.dacha.com.ua

Schnäpse probieren!

Klar: Wasser, Cola und Bier gibt’s auch in Odessa. Ein, zwei kuriose Schnäpse probieren, ist aber ein absolutes Must! Meine Empfehlung – nicht wirklich lecker, aber definitiv speziell - Chrenowucha (ХьеНОвУХА), Vodka mit Meerettich. Tipp für die experimentierfreudigen Nichtalkohol-Trinker: Kwas, ein Getränk aus gegorenem Brot.

Abenteuer ÖV

Ja, die Odessiten zahlen Steuern. Auch für den Strassenbau. Da das Geld jedoch häufig direkt in die Taschen der Unternehmer wandert, lässt der Strassenzustand gerne zu wünschen übrig. Korruption, ahoi! Daher wird es unterwegs gerne mal ein wenig holprig.

Charmanteste Fortbewegungsmöglichkeit: Die in die Jahre gekommenen Trams, die über Odessas Strassen quietschen, rattern und rütteln. Die Weichen werden von Hand gestellt. Tramchauffeusen erledigen das elegant in Minirock und Highheels.

Taxis gibt es zwar, man sieht sie aber eher selten. Wer eine Mitfahrgelegenheit braucht, nimmt entweder eine Marschrutka (Minibus, der als Sammeltaxi fungiert) oder steht an den Strassenrand und streckt den Arm horizontal aus. Wetten, dass sofort ein Auto hält? Vor dem Einsteigen – wie beim offiziellen Taxi – sagen wohin’s gehen soll und wie viel man dafür zahlt. Viele Leute verdienen sich so etwas Geld dazu.

Shopping unter freiem Himmel

In Odessa findet man an jeder Strassenecke kleine Märkte. Da gibt es neben sehr viel Ramsch, auch die klassischen Odessa-Souvenirs. Da Odessa einen Anker zum Stadt-Logo erklärt hat, sehen die Städte-T-Shirts ein bisschen aus wie Hipster-Mode.

Der mit Abstand grösste Markt ist der 7. Kilometer, ausserhalb der Stadt. Auf 75 Hektar Land stehen etliche Schiffscontainer gefüllt mit allem, was das Herz begehrt (Kleider, Elektrogeräte, Waschmittel, Velos uvm). 200 000 Leute kommen täglich hierhin, 60 000 Angestellte arbeiten auf dem grössten Non-Food-Markt Europas. Für die En-Gros-Einkäufer gibt es auf dem Areal zwei Hotels. Ah, und eine eigene Zeitung hat der Markt auch. Reizüberflutung vorbestimmt!