Das macht ein Fanarbeiter an einem Hochrisikospiel

Christian Wandeler ist Fanarbeiter des FC Luzern. Er ist das Bindeglied zwischen Fans, Verein und Polizei. Er ist auch der, der dazwischen steht, wenn es mal «klöpft». Wir haben Christian an das Hochrisikospiel FC Luzern-FC Zürich begleitet - und festgestellt, dass alles halb so wild ist.

Christian Wandeler (40) ist Fanarbeiter des FC Luzerns. Ab 2016 übernimmt er zusätzlich den Posten des Chefs von «Fanarbeit Schweiz».

Als Fanarbeiter ist Wandeler Ansprechs- und Vermittlungsperson zwischen Fans, Polizei und Verein: «Wir sind da und schauen, dass das Spiel möglichst ruhig über die Bühne geht.»

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Virus Voyage: Der Yoga-DJ und der Fussball-Fanbetreuer

24 min, aus Virus Voyage vom 16.12.2015

«In den Stadien haben wir schweizweit sehr wenig Probleme. Wenn es Probleme gibt, dann eher auf dem Anfahrts- und Abfahrtsweg», so Wandeler. Darum beginnt sein Arbeitstag an einem Matchtag auch nicht beim Anpfiff, sondern um einiges vorher.

Wandeler begleitet die Fans vor dem Spiel auf dem Weg von der Fanbeiz zum Stadion - und läuft mit den Hartgesottenen nach dem Spiel auch wieder zurück.

Während dem Spiel bewegt er sich durch die verschiedenen Fansektoren, sucht das Gespräch mit den Fans, oder schaut dem Treiben aus einer übersichtlichen Position zu. Wandelers Tag ist dann ein Erfolg, wenn es ruhig geblieben ist.

Eine der grössten Streitfragen in Christian Wandelers Job: Die brennenden Fackeln. Er selbst beschreibt die Pyro-Situation als «eine schwierige Geschichte».

«Für einen Teil der Fankultur gehört es halt einfach dazu. Und wenn es tatsächlich mal brennt, ist es auch nicht unsere Aufgabe, hinzuspringen und die Fans zum Aufhören zu zwingen.» Schliesslich bringe das nichts und sowieso wäre es auch nicht ganz ungefährlich, Mitten auf der Tribüne solche Diskussionen zu führen.

Muss ein Fanarbeiter gewalttätige Fans verpfeifen?

Christian Wandeler steht den Fans nahe und kennt die meisten persönlich. Wenn die Polizei also Fotos von Gewalttätern ins Internet stellt, kommt es immer wieder vor, dass Wandeler die Täter identifizieren könnte. Verpfeifen kommt für ihn allerdings nicht in Frage: «Ich weiss: das ist ein heikler Punkt. Aber wenn wir das machen würden, dann würden wir das Vertrauen der Fans verlieren – und das will niemand. Wir profitieren schliesslich davon, wenn wir den Fans nahe stehen.»

Für die Aufforderung, dass sich Fanarbeiter aktiver für mehr Zucht und Ordnung im Fussballstadion einsetzen, hat Christian Wandeler ebenfalls wenig übrig: «Das ist nicht unser Part. Wir sind nicht die Security.»

Braucht der Fussball die Ultras?

Trotz gelegentlichen Problemen mit zünselnden und prügelnden Fans: Die Lust an der Zusammenarbeit mit den Fans vergeht Wandeler nicht: «Im Herzen bin ich Fussball- und FCL-Fan.».

Auch möchte er keine Gruppen aus dem Stadion ausschliessen. «Ein Fussballspiel braucht Stimmung, es braucht Atmosphäre. Momentan sind es die Ultras, die genau das bieten. Ohne den Support der Ultras wäre der Fussball nicht das, was er ist.»

Die Nase ist immer noch heil

Auch wenn Christian Wandeler in der Vergangenheit schon die eine oder andere Situationen miterlebt hat: Eins auf die Nase bekommen hat er bis jetzt noch nie. «Es ist allerhöchstens Gummischrot von der Polizei, den man ab und zu abbekommt», sagt er.

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Fotos: © Noëlle Guidon, SRF Virus

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