Ein Leben am Rande der Gesellschaft

Sie tauscht lieber, als dass sie Dinge kauft. Sie fährt lieber einen Traktor, statt einem Auto. Und ihre Kostüme kreiert sie selbst. Milena Gross (30) sucht sich im Leben ihren eigenen Weg. Ihr Leben finanziert sie sich mit Auftritten als Feuerkünstlerin.

Schon als Schülerin war klar: Milena tickt anders, als ihre Mitschüler. Der Schulstoff langweilte sie, die Welt Draussen, faszinierte sie.

«  In der Schule merkte ich, dass ich mir meine eigenen Welten erschaffen muss, um in dieser Gesellschaft zu existieren. Wenn ich das nicht getan hätte, wäre ich wahrscheinlich aus dem Fenster gesprungen. »

Der steinige Weg zum eigenen Weg

Mit 14 zog Milena von Zuhause aus und jobbte unter anderem als Model. Doch auch dieses Leben langweilte Milena schnell. Sie begann eine KV-Lehre - aber nicht, um danach im Büro zu arbeiten, sondern um den Kapitalismus zu verstehen.

Das Spiel mit dem Feuer

Eine eigene Welt geschaffen, hat sich Milena mit ihrem Beruf als Feuerkünstlerin. «Das Feuer ist mein Element. Es ist wunderschön, kann aber gleichzeitig alles zerstören.» Mit ihren Feuer-Nummern reiste die Bernerin schon nach London und Paris und stand mittlerweile mit Burlesque-Legenden wie Dita von Teese auf der Bühne.

«Money, so they say - is the root of all evil today»

Aber auch im Alltag versucht die 30-Jährige, ihre eigenen Wege zu finden. Statt eines Autos besitzt die Bernerin einen Traktor. Statt neuen Klamotten näht sie in ihrem Atelier lieber selbst oder kauft sich gebrauchte Kleider in einem Secondhandshop. Und statt mit Geld zu zahlen, tauscht sie lieber. «Manchmal ist es anstrengend so zu leben, dafür oft schöner und intensiver.» Trotzdem: Ganz weg von der Gesellschaft lebt Milena nicht. Sie schafft den Spagat zwischen dem autonomen Leben und den vorgegebenen Gesellschaftsstrukturen. Ihre Motivation ist es, innerhalb der Gesellschaftsstrukturen, sich eine eigene, selbstbestimmte Welt zu erschaffen.

Mittagessen in der Gassenküche

Oft trifft man Milena in Bern in der Gassenküche «DEAD END» an. «Das DEAD END ist für mich wie ein zweites Zuhause.»
Hier begann sie mit 15 Jahren zu arbeiten und übte für ihre ersten Feuerauftritte. «Da konnte ich mich selbst sein und mich ausleben. Ich komme heute immer noch oft hierhin, da es genau diese Nischen sind, die mich faszinieren.» Individualismus ist ein inflationär verwendetes Wort. Zu Milena würde es aber dennoch ein Stück weit passen.

Fotos: © Noëlle Guidon, SRF Virus

«Virus Voyage»

«Virus Voyage»

Die ganze Sendung mit Milena gibt's hier. Die Backstage-Eindrücke von Anic und Andi kannst du dir hier anschauen.