Schlosskonzerte Thun: Streichquartett grast über Repertoirezaun

Mehr als 400 Jahre umspannen die Werke im Konzert des Schweizer Merel Quartetts. Und werden beim Hören doch zu einer Einheit.

Das Merel Quartet im KKL Luzern.
Bildlegende: Das «Merel Quartet» lotet die Möglichkeiten eines Streich-Quartetts aus. Marco Borggreve, aufgenommen im KKL Luzern

Zwar stammt der eine aus Italien, der andere aus Japan, und sie sind durch Jahrhunderte getrennt. Was der Japaner Toshio Hosokawa 2007 beschäftigte, kannte aber auch der Renaissance-Komponist Giovanni da Paestrina: Das meditative Sich-Versenken. Palestrina blickt dazu aufs christliche Kreuz, Hosokawa auf eine sich entfaltende Lotusblüte, die aus dem Schlamm eines Teiches zur reinen Blüte emporwächst.

Es sind Erfahrungen, die die vier Streichquartett-Spieler mit ihrem Publikum teilen (auch wenn es zur Zeit Palestrinas freilich so etwas wie ein «Streichquartett» noch nicht gegeben hat, und das Merel Quartett also über seine Repertoire-Grenzen blickt).
Und zur Erfahrung von Transzendenz lädt schliesslich auch Beethovens spätes Streichquartett in a-Moll ein.

G.P. da Palestrina: «O crux ave» aus dem Hymnus «Vexilla regis prodeunt»
T. Hosokawa: Blossoming
J. Ockeghem: «Agnus Dei» aus der Messe «lHomme Armé» (arr. Nicolas Bolens)
L. van Beethoven: Streichquartett Nr. 15 a-Moll op. 132

Merel Quartett:
Mary Ellen Woodside, Violine
Maia Cabeza, Violine
Alessandro DAmico, Viola
Rafael Rosenfeld, Violoncello

Konzert vom 12. Juni 2016, Schloss Thun

Redaktion: Andreas Müller-Crepon