Wir sind die Schweiz

Zweite Staffel, Folge 2

In der zweiten Folge der Serie «Wir sind die Schweiz» begleitet «SRF DOK» Kaminfeger Kurt Fischer, Bioweinproduzentin Valentina Andrej, Schiffskapitän Alex Beauval und Beryl Jost, die Kinder im Zürcher Multi-Kulti-Quartier betreut.

Kurt Fischer fegt Kamine und setzt sich für Lehrlinge ein

Der 53-jährige Aargauer aus Rupperswil machte sich vor 21 Jahren zusammen mit seiner damaligen Frau als Kaminfegermeister selbständig und ist sehr verwurzelt in der Region. Mittlerweile beschäftigt er sechs Kaminfeger und drei Kaminfegerinnen. Seine Lehrtochter im dritten Lehrjahr muss für die Abschlussprüfung üben.

Die Ausbildung von Lehrlingen ist Kurt ein besonderes Anliegen, darin sieht er einen wichtigen Beitrag, den er für die Zukunft der Schweiz leisten kann. Darum unterrichtet er auch an der Berufsschule Olten. Er ist zudem Brandschutzexperte und bildet sich als Energie- und Effizienzberater weiter.

Schon seit Jahren ist er im Vorstand des Rupperswiler Gewerbevereins. Sich freiwillig für die Gemeinschaft zu engagieren, findet er wichtig. Privat hat er seit elf Jahren mit Regula sein neues Glück gefunden. Die Ärztin lernte er während eines Krankenhausaufenthalts kennen.

Valentina Andrei produziert Biowein im Wallis

Die 35-jährige Rumänin kam mit zwanzig Jahren als Au-pair in die Schweiz, um Französisch zu lernen. Als Bauerntocher verliebte sie sich damals sofort ins Wallis und beschloss, sich zur Winzerin auszubilden. Nach einer weiteren Ausbildung zur Weinhändlerin, arbeitete sie für die Weinikone Marie-Thérèse Chappat und konzentrierte sich auf biodynamischen Anbau.

Seit sechs Jahren betreibt sie nun ob Fully-Martigny ihre eigenen Rebberge und in Saillon ihren eigenen Weinkeller. Sie produziert nur etwa 20‘000 Flaschen pro Jahr, verkauft aber an die renommiertesten Restaurants in der Schweiz und in Frankreich. Gerade hat sie zusammen mit dem bekannten Tessiner Winzer Sacha Pelossi für die Rockband Gotthard einen neuen Wein kreiert.

Anlässlich eines Konzertes in Lausanne dürfen die Bandmitglieder erstmals degustieren. Zusammen brachte sie ihr Freund Nicolas Wüst, ein Weinliebhaber und Hansdampf in allen Gassen. Seit einem Jahr sind Valentina und er ein Paar. Valentina ist es gerade recht, hat Nicolas die gleiche Passion für das, was er tut, genau wie sie. Ein normales 08/15-Leben wäre ihr zu langweilig.

Alex Beauval steuert Dampfschiffe über den Genfersee

Der 51-jährige Franzose hat es gerne geordnet. Seit er sich in seine zweite Frau Silvie verliebt hat, lebt er in der Schweiz zwischen Genf und Lausanne in einem schönen Einfamilienhaus. Zusammen haben sie den vierjährigen Martin. Die neue Familie ist sein grosses Glück.

Silvie arbeitet auch 80 Prozent. Martin ist drei Tage im Kindergarten und zwei Tage bei den Grosseltern, die Familienarbeit teilen sie sich, so gut es geht. Alex arbeitet Vollzeit und in den Sommermonaten oft auch am Abend. Deshalb versucht er in der Vorsaison noch möglichst viel Zeit mit seiner Familie zu verbringen.

Seit er denken kann, wollte er Schiffskapitän werden. Seit bald 30 Jahren arbeitet er schon bei der Genfer Schifffahrtsgesellschaft, seit 13 Jahren steuert er Dampfschiffe auf dem Genfersee. Auch heute noch ist er absolut fasziniert von diesen alten Maschinen und findet, Dampfschiffe seien ein wichtiges Kulturgut in der Schweiz. An den Schweizern mag er, dass sie ihrer Heimat und ihren Traditionen sehr verbunden sind.

Beryl Jost betreut Kinder im Zürcher Kreis 4

Die 39-Jährige lebte lang zwischen zwei Welten. Sie kam als Tochter zweier Schweizer in Uganda zur Welt und hat sie bis heute eine enge Bindung zu Afrika. Soziales Engagement ist ihr wichtig, deshalb engagierte sie sich lange in einer Schule in Nairobi.

Die ausgebildete Sozialpädagogin war lange in Jugendheimen tätig. Seit neun Jahren leitet sie nun einen Hort im Zürcher Multi-Kulti-Quartier Kreis 4. Die Umstrukturierungen im Schulbereich bringen viel Unruhe in das Hortwesen, doch Beryl setzt sich dafür ein, dass Ruhe und Geborgenheit für die Kinder dabei nicht verloren gehen. Künftig möchte sie sich gerne vertieft mit einzelnen Menschen und weniger mit Gruppen beschäftigen.

Darum hat sie sich vor Kurzem mit einer Coaching-Firma selbständig gemacht. Ziel ist, Kindern und Eltern Wege aufzuzeigen, wie man in der heutigen Leistungsgesellschaft entspannt bei sich bleiben kann. Das ist auch privat ihr Plan. Vor drei Jahren zog sie mit ihrem Partner raus aus der Stadt in ein Häuschen am Zürichsee. Das einzige, was zu ihrem Glück noch fehlt, sind eigene Kinder.