Wir sind die Schweiz

Zweite Staffel, Folge 1

In der ersten Folge der neuen Staffel von «Wir sind die Schweiz» begleitet «SRF DOK» Judith Schnider, die den Volg in Laax führt, den Zugbegleiter Yann Giuliani, das Zimmermädchen Yangdol Depön, und Sebastiano Gaffuri – den jüngsten Bürgermeister im Tessin.

Judith Schnider leitet den Volg in Laax

Die 52-jährige Bündnerin ist Mutter von vier erwachsenen Kindern, nur die jüngste Tochter wohnt noch Zuhause. Judith hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Sie wurde mit 23 Jahren Mutter und führte mit ihrem damaligen Mann verschiedene Restaurants.

Als sie das Angebot bekam, das kleine Volg-Lädeli in Zignau zu übernehmen, ergriff sie die Gelegenheit. Nachdem sie sich von ihrem Mann getrennt hatte, machte sie mit 42 Jahren die Ausbildung zur Verkäuferin und zog die Kinder alleine gross. Als der kleine Volg in Zignau schloss, arbeitete sie zuerst im Nachbardorf Trun und seit einem Jahr führt sie nun den Volg in Laax.

Judith ist mit der Region und den Leuten, die dort leben, sehr verbunden und in der Gemeinde Trun als Präsidentin des Samaritervereins und Mitarbeiterin im Frauen- und Mütternverein sehr engagiert. Zudem spielt sie gleich in zwei Dorforchestern und singt im Kirchenchor mit.

Yann Giuliani begleitet Zugpassagiere durch die Schweiz

Der 43-jährige Genfer lebt im Französischen Bellegarde und arbeitet seit acht Jahren für die SBB. Er liebt seinen Beruf. Als kommunikativer Mensch geniesst er den Kontakt mit den Passagieren und die Reisen durch die ganze Schweiz und ist immer wieder mal für ein Spässchen zu haben.

Wer ihn nicht kennt, ahnt kaum, dass er auch die Schattenseiten des Lebens kennt. Yanns Mutter war krank, er hatte als Jugendlicher eine schwierige Zeit, ist überall angeeckt, was ihn auch demütig gemacht hat.

Seine Gefühle begann er schon früh in Songtexten niederzuschreiben. Seit 20 Jahren singt er in Bands und mit seiner aktuellen Band «Giul» gibt er ab und zu Konzerte. Privat läuft nicht alles nach Plan. Vor zwei Jahren trennte er sich von seiner Freundin, wegen seines 9-jährigen Sohnes wohnt er weiterhin in Frankreich.

Yangdol Depön putzt Hotelzimmer in Luzern

Die 26-jährige Tibeterin hat eine bewegte Zeit hinter sich. Mit 16 wurde sie nach der Teilnahme an einer Demonstration von der chinesischen Polizei verfolgt, deshalb haben sie ihre Eltern zur Flucht gedrängt. Widerwillig kam die Jugendliche 2009 über Buthan und Nepal als Flüchtling in die Schweiz.

Bis ihr Flüchtlingsstatus anerkannt wurde, dauerte es sechs Jahre. In dieser Zeit lebte sie in verschiedenen Asylunterkünften in der Ostschweiz. Zum Glück lernte sie an einem tibetischen Fest schon bald ihren Mann Londen kennen. Seit vier Jahren sind die beiden verheiratet, vor zwei Jahren kam ihr Sohn Tenzin auf die Welt.

Yangdol ist ehrgeizig und hat mit Hilfe von YouTube englisch und deutsch gelernt. Das zahlt sich nun aus. Eine Stiftung für junge Mütter verhalf ihr zu einem Praktikum als Zimmermädchen im Hotel Schweizerhof in Luzern. Und weil sie gute Arbeit leistete, bot man ihr im Hotel die Ausbildung zur Hotelfachfrau an.

Sebastiano Gaffuri ist der jüngste Bürgermeister im Tessin

Der 28-jährige Tessiner ist im Schnellzugstempo unterwegs. Er stammt aus einer Kleingewerblerfamilie und hat Förster gelernt. Nach einem zweijährigen Aufenthalt in der Deutschschweiz, übernahm er mit einem Kollegen zusammen den privaten Forst- und Landschaftsschutzbetrieb AFOR. Heute ist er bereits der grösste Arbeitgeber im Valle di Muggio, im südlichsten Teil der Schweiz.

Sebastianos Vater war bereits in der FDP, das Interesse für Politik wurde ihm quasi in die Wiege gelegt. Er ist ein grosser Fan des schweizerischen Polit- und Milizsystems und findet, die Tessiner sollten aus den Möglichkeiten, die es in der Schweiz gibt, mehr machen. Bereits als 25-Jähriger wurde er für die FDP ins Kantonsparlament gewählt, ein Jahr später wurde er Bürgermeister von Breggia, einem Gemeindezusammenschluss von sechs Gemeinden im Tal.

Diesen Frühling heiratete er seine Freundin Claudia. Zusammen kauften sie Ende letzten Jahres ein Haus mit Restaurantbetrieb und wollen daraus eine sympathische Dorfbeiz und damit einen Treffpunkt für alle in der Gegend machen.