Zum Inhalt springen

Header

Video
Die Reihen in den Berner Stadien lichten sich wieder
Aus Sport-Clip vom 18.10.2020.
abspielen
Inhalt

Schutzkonzepte würden genügen Befremden beim SCB über den Kantons-Entscheid – YB ist schockiert

  • Nach der Rückkehr zur 1000er-Beschränkung im Kanton Bern finden die betroffenen Klubs SCB und YB klare Worte – und schütteln den Kopf.
  • Ihr Unverständnis ist vor allem deshalb riesig, weil sich die kostspieligen Schutzkonzepte doch eigentlich bewährt hätten.
  • Denis Vaucher, der Direktor der Eishockey-Profi-Liga, spricht von einem «Chlapf a Gring».

Das Berner Sportlerherz blutet nach dem jüngsten Entscheid der Kantonsregierung. Angesichts der schnell steigenden Corona-Fallzahlen werden ab Montag Grossveranstaltungen ab 1000 Personen verboten.

In einer ersten schriftlichen Stellungnahme beteuert der SC Bern sein grosses Verständnis für das Gesundheitswesen. Nicht goutiert wird dagegen der gefällte Beschluss, dass bis auf weiteres bei Matches in der Postfinance-Arena der Zuschauer-Aufmarsch das 1000er-Limit nicht übersteigen darf.

Grossaufnahme von Marc Lüthi.
Legende: Ein Entscheid, der Kopfzerbrechen auslöst Marc Lüthi, CEO beim SCB, muss schon wieder umdenken. Keystone

«Mit grossem Befremden» nimmt der Zuschauerkrösus in der National League den Entscheid zur Kenntnis. Zudem sei er von den Plänen gänzlich überrascht worden. Auch Wanja Greuel, CEO bei den Young Boys, verweist darauf, dass man gänzlich auf dem falschen Fuss erwischt worden sei. «Wir sind darum schockiert.»

Existenzbedrohender Entscheid

Der SCB begründet sein Unverständnis damit, dass der Bundesrat Grossanlässe mit entsprechenden Schutzkonzepten zum jetzigen Zeitpunkt explizit nicht in Frage gestellt hätte. Auch stehe der Kanton Bern im landesweiten Vergleich der Corona-Fälle relativ gut da. Deshalb würden dem Entscheid der Kantonsregierung klare Begründungen fehlen.

Der SCB findet den Entscheid der Kantonsregierung unverhältnismässig.
heisst es in einer SCB-Stellungnahme

Der SCB habe 500'000 Franken in die Schutzkonzepte investiert – und damit gute Erfahrungen gemacht. «Es sind nachweislich keine Covid-19-Fälle bekannt, die in Zusammenhang mit den Spielen des SCB stehen.» Entsprechend finden die «Mutzen» den Entscheid der Kantonsregierung unverhältnismässig.

Der 16-fache Schweizer Meister schliesst seine Replik mit der Forderung nach einer differenzierten Betrachtungsweise für Veranstaltungen mit anerkannten Schutzkonzepten, die sich bisher bewährt hätten.

Vaucher: «Befürchten einen ‹Domino-Effekt›»

Auch für die Eishockey-Liga kam der Entscheid aus heiterem Himmel. Gemäss Liga-Direktor Denis Vaucher waren die Signale der Gesundheits-Direktorenkonferenz und des Bundesrats eigentlich in eine andere Richtung gegangen. Er spricht darum von einem «Chlapf a Gring». Vor allem befürchtet er einen gewissen ‹Domino-Effekt› – dass nun andere Kantone nachziehen. «Das wäre fatal», so Vaucher. Wo die Schmerzgrenze liegt, wenn weitere Kantone eine Beschränkung der Grossveranstaltungen beschliessen sollten, konnte der Funktionär nicht sagen. «Wir werden das sicher aufmerksam beobachten.»

Die Durchführung von Matches mit weniger als 1000 Fans sei existenzbedrohend – diese Meinung dürften auch die SCL Tigers und der EHC Biel vertreten. Beide sind im NL-Eishockey aktuell ebenfalls von der Rückkehr zur 1000er-Grenze betroffen und dadurch massiv eingeschränkt. Die Seeländer wollen am Montag über das Vorgehen für die kommenden Heimspiele informieren.

Der EHCB bittet seine Fans um Geduld

Vor vollendete Tatsachen gestellt

Auf Seiten der Fussballer möchte YB-CEO Greuel baldmöglichst das Gespräch mit Regierungsräten suchen. «Denn wir sind wirklich überrascht von der schnellen Umsetzung. Die Hoffnung ist gross, dass es bald wieder in eine andere Richtung gehen kann», sagte der 42-Jährige gegenüber SRF Sport.

Gross ist der Ärger der Young Boys ein erstes Mal mit Blick auf den Donnerstag und den Auftakt zur Europa-League-Gruppenphase (zu Hause gegen die AS Roma, live ab 18:40 Uhr bei SRF zwei). «Dabei handelt es sich um eine Riesen-Affiche, für die wir schon Tickets verkauft haben», so Greuel. Nun müsse man schauen, wie man damit umgehe, dass der Einlass auf 1000 Leute limitiert sei. «Das schmerzt finanziell, aber auch emotional.»

Radio SRF 4 News, Nachmittagsbulletin, 18.10.2020 15:00 Uhr;

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

46 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von André Piquerez  (Nemesis1988)
    Am 19. Februar war ein Champions League Spiel in Atalanta gegen Valencia. Volles Stadion. Nur den wenigsten war bewusst, dass das Virus bereits in Italien war. Atalanta hat gewonnen. Aber das war fatal. Durch das Feiern und die Freude usw. haben sich wahrscheinlich schlussendlich Abertausende angesteckt. Man kann jetzt nur spekulieren wie verheerend dieses eine Match für die Lombardei war. Auch mit einem Schutzkonzept können sich Leute anstecken mit Alkohol und so einem hochansteckendes Virus.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Hanspeter Aeschlimann  (aes)
    Der Kantönli Geist musaufhören, so nach dem Sprichwort: Zuviele Köche verderben denn Brei.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Martin Gass  (Punkt CH)
    Es scheint mir, dass man mit dem Killerargument "Meschenleben schützen zu wollen" alles erdenkliche machen darf, ohne auch nur im Ansatz die Verhältnismässigkeit zu prüfen. Diese Hysterie und der Aktionismus in der Bekämpfung von Covid 19 ist einmalig. Jeder will den Nachbarn mit noch strikteren Regeln übertrumpfen (sieh Kanton Bern). Ist nun die Berner Regierung schlauer als die anderen oder ist die Berner Bewölkerung schützenswerter als die restlichen Schweizer?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Josef Graf  (Josef Graf)
      Die Berner Regierung beweist mehr Mut als der Bundesrat oder die Regierungen in anderen Kantonen. Mit Schlauheit hat das nichts zu tun, sondern mit dem Übernehmen von Verantwortung, auch wenn man sich damit unbeliebt macht. Ich wünschte mir diesen Mut auch von der bis anhin praktisch untätig gebliebenen Regierung meines Wohnkantons, die seit Monaten immer nur abgewiegelt hatte und am letzten Freitag wieder nur das ausgehandelte "Minimum" beschloss.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Romeo Ruh  (RomeoRuh)
      Sehr gut gesagt, diese Unverhältnismässigkeit ist nicht mehr angebracht und wird früher oder später rechtlich gestoppt werden, davon bin ich überzeugt. Ich werde einen Beitrag dazu leisten.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen