Systematisches Doping in Westdeutschland?

Bei der Aufarbeitung der Doping-Vergangenheit Westdeutschlands sind weitere Details bekannt geworden. Gemäss der Süddeutschen Zeitung seien während der Zeit des kalten Krieges Sportler systematisch gedopt worden.

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Systematisches Doping in Westdeutschland? («sportaktuell»)

0:58 min, vom 3.8.2013

Die Süddeutsche Zeitung (SZ) bezieht sich auf die bislang nicht veröffentlichte Studie «Doping in Deutschland» der Humboldt-Universität in Berlin. «Im westdeutschen Sport wurde in einem erschreckenden Umfang und mit einer kaum zu glaubenden Systematik gedopt», schreibt die SZ, der eine Version der 800-seitigen Studie vorliegt.

1200 Spritzen in Montréal

Laut der Studie soll unter anderem bei den Olympischen Spielen 1976 in Montréal massiv gedopt worden sein. 1200 Mal sei eine nach dem deutschen Spitzenruderer Peter-Michael Kolbe benannte Spritze zum Einsatz gekommen. Allerdings hätten die benutzten Substanzen noch nicht auf der Verbotsliste gestanden.

Zudem hat es offenbar schon in den 70er-Jahren systematische Verabreichung verbotener Substanzen wie Anabolika an Minderjährige gegeben.

Fussball-Nationalteams verdächtigt

Auch Spieler der Fussball-Nationalteams von 1954 und 1966 stehen im Verdacht, mit Doping nachgeholfen zu haben. So soll bei der WM in der Schweiz das Aufputschmittel Pervitin dem «Wunder von Bern» nachgeholfen haben.

Auch die Politik ist involviert

Gemäss dem Bericht der SZ hätte die Politik den Einsatz von leistungssteigernden Mitteln nicht nur geduldet, sondern offenbar auch gefordert. Ausserdem hätten staatliche Institutionen versucht, die Enttarnung gedopter Sportler zu verhindern.

Die Ergebnisse der 550'000 Euro teuren Studie sind immer noch nicht veröffentlicht. Das Bundesinstitut für Sportwissenschaften macht dafür datenschutzrechtliche Probleme verantwortlich. Die beteiligten Wissenschaftler widersprechen dieser Aussage.