Zweifel und Hoffnungen vor den Europaspielen in Baku

Im Vorfeld der ersten Austragung der Europaspiele in Aserbaidschan werden die Organisatoren von verschiedenen Seiten kritisiert. Für einige Sportarten und Athleten bieten sie jedoch auch eine Plattform für eine breitere Öffentlichkeit.

Ein Arbeiter befestigt ein Europaspiele-Plakat.

Bildlegende: Alles bereit? Baku in Aserbaidschan trägt die ersten Europaspiele aus. EQ Images

Die Premiere der «European Games», der nach olympischem Vorbild gestalteten kontinentalen Sportwettkämpfe, wird von politischen Diskussionen überschattet. Regimekritiker würden weggesperrt, Menschenrechte missachtet, die Pressefreiheit sei unter Präsident Ilham Alijew weit von westlichen Massstäben entfernt.

Swiss Olympic wehrte sich erfolglos

Gegen die Vergabe nach Aserbaidschan haben sich Swiss Olympic und andere nationale Verbände im Vorfeld gewehrt - ohne Erfolg. Trotzdem hat die Schweiz nun eine Delegation von 130 Athletinnen und Athleten entsandt.

«Es ist schwierig mit dem Sport politische Probleme zu lösen», erklärt der Schweizer Missionschef Ralph Stöckli gegenüber SRF die Entscheidung, «ein Boykott eines einzelnen Landes ist wenig wirksam». Letztlich gehe es für seine Sportler auch um Quotenplätze für die Olympischen Spiele und um wichtige Erfahrungen.

Chance für junge Sportler

Gerade für junge Sportler und für die Athleten nicht-olympischer Disziplinen wie zum Beispiel Beachsoccer bieten die Europaspiele die Gelegenheit vor grossem Publikum Werbung in eigener Sache zu betreiben. Für einige, wie die Schweizer Spitzen-Triathletin Nicola Spirig, geht es ganz konkret um die vorzeitige Olympia-Qualifikation. Trotzdem wird auch der sportliche Gehalt des Anlasses in Frage gestellt.

Denn gerade die publikumswirksamen Sportarten Schwimmen und Leichtathletik müssen ohne die besten Athleten auskommen, die sich für die jeweilige WM schonen.

Ungewisse Zukunft

Angesichts des Widerstandes einzelner Sportverbände und auch der exorbitant hohen Kosten (schätzungsweise 6 Milliarden Euro wurden in Aserbaidschan ausgegeben) stehen die Europaspiele vor einer ungewissen Zukunft. Die Niederlande haben sich als Gastgeber 2019 aus finanziellen Gründen zurückgezogen.

Die Vereinigung der Olympischen Kommittees in Europa und ihr Präsident Patrick Hickey sind allerdings überzeugt von der Zukunft des Konzepts. Auch weil ähnliche Kontinental-Wettkämpfe in Asien, Südamerika oder Afrika eine lange und erfolgreiche Tradition aufweisen.

Herausgeputzt: Baku erstrahlt für die Europaspiele in neuem Glanz

Sendebezug: Radio SRF 4 News, Morgenbulletin, 12.06.2015, 06:17 Uhr.

Schweizer Gold-Start?

Drei Schweizer Gold-Chancen am Samstag: Jolanda Neff ist beim Mountainbike-Cross-Country-Rennen favorisiert. Auch bei den Männern ist mit Nino Schurter ein Schweizer Trumpf dabei. Olympia-Siegerin Nicola Spririg könnte sich im Triathlon vorzeitig für Rio 2016 qualifizieren.