Keine Stars – kein Problem?

Die Schweiz tritt an der WM in Paris und Köln nicht mit dem bestmöglichen Team an. Denis Malgin ist der einzige aktuelle NHL-Spieler im Kader. Ein gutes Vorzeichen, findet SRF-Kommentator Christoph Sterchi.

Spieler klatschen nach einem Tor mit der Bank ab.

Bildlegende: Jubelt die Nati auch (fast) ohne NHL-Stars? Auf das Team von Patrick Fischer wartet bei der WM in Paris und Köln eine grosse Herausforderung. Keystone

Noch nie gab es so viele Schweizer Spieler, die regelmässig in der NHL zum Einsatz kamen. Trotzdem wird von den 10 aktuellen NHL-Spielern nur der 20-jährige Denis Malgin an der WM dabei sein.

Lange Abwesenheits-Liste

  • Roman Josi und Yannick Weber sind mit Nashville in den Playoffs engagiert. Kevin Fiala ist verletzt, Mark Streit (Pittsburg) steht ebenfalls bei einem Playoffteam unter Vertrag.
  • Nino Niederreiter (Minnesota) hat noch keinen Vertrag für die nächste Saison. Der Churer kann nach den letzten Leistungen in Zukunft ein Mehrfaches verdienen als bisher und will an der WM keine Verletzung riskieren.
  • Luca Sbisa (Vancouver) wird Vater und verzichtet auf die Teilnahme. Sven Bärtschi (Vancouver), Sven Andrighetto (Colorado) und Reto Berra (Florida) sind nicht hundertprozentig fit.

Diese Konstellation müsste Nationaltrainer Patrick Fischer eigentlich Sorgen machen. Tut es aber nicht. Natürlich würde er gerne mit allen Cracks antreten, ein Nachteil sind abwesende NHL-Spieler aber nicht.

Die Erinnerung an 2010 im Gepäck

Wir erinnern uns an die Weltmeisterschaft 2010 in Deutschland. Kein einziger NHL-Söldner fuhr an die WM. Die damaligen NHL-Spieler Jonas Hiller (Anaheim), Mark Streit (New York Islanders) und Yannick Weber (Montreal) verzichteten 3 Monate nach der Teilnahme an den Olympischen Spielen auf die WM.

Die Mannschaft von Trainer Sean Simpson startete ohne jeglichen Kredit in die WM – und überraschte alle. Die Schweiz gewann, ja dominierte gegen Kanada und Tschechien in der Vorrunde, qualifizierte sich bereits frühzeitig für den Viertelfinal.

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Rückblick auf die WM 2010

1:42 min, vom 23.5.2010

Deutschland als Spielverderber

Der Weg in den Halbfinal nach Köln war eigentlich frei, mit Gastgeber Deutschland wartete der nominell schlechteste Viertelfinalgegner.

Doch die Schweiz scheiterte am nördlichen Nachbarn, also eigentlich an Torhüter Dennis Endras, der am Ende der WM zum MVP des Turniers gewählt wurde. 0:1 lautete das Schlussresultat – trotz einem Schussverhältnis von 41:25 zugunsten der Schweizer. Statt nach Köln zum Halbfinal fuhren die Schweizer nach Hause.

Reicht es gar für den Halbfinal?

Trotzdem: Die WM 2010 war spielerisch hinter der Top-WM mit dem Silbermedaillengewinn 2013 in Schweden vermutlich die Beste. Ohne die grossen Stars konnte jeder Spieler über sich hinauswachsen.

Mich erinnert die Schweizer Nationalmannschaft 2017 an das Team von 2010. Fast ohne Kredit und (fast) ohne NHL-Spieler startet die Schweiz ins WM-Turnier. Ich traue den Schweizern durchaus zu, was sie vor sieben Jahren verpasst haben: das Erreichen des Halbfinals in Köln.

Wie schneidet die Schweiz bei der Eishockey-WM ab?

  • Die Nati muss um den Klassenerhalt bangen.

    8%
  • Die Vorrunde bedeutet Endstation.

    18%
  • Im Viertelfinal ist Schluss.

    43%
  • Das Fischer-Team erreicht den Halbfinal.

    18%
  • Die Nati holt den Titel.

    10%
  • 2725 Stimmen wurden abgegeben

Sendebezug: SRF zwei, sportlive 6.5.17, 19:20 Uhr

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