Pistenbericht der Nati: «Pulver gut»

Das neue Nati-Trainertrio hat an der Arosa Challenge funktioniert. Die Spieler traten unter der neuen Führung motiviert und engagiert auf. Doch die Spielphilosophie von Headcoach Patrick Fischer birgt auch Gefahren.

Patrick Fischer an der Bande während der Arosa Challenge.

Bildlegende: Der neue Chef Patrick Fischer an der Bande während der Arosa Challenge. Keystone

Der Wintersportort Arosa meldet kurz vor dem wichtigen Altjahres-Touristenansturm den Schneezustand mit hart und den Pistenzustand mit gut. Am gleichen Ort schneidet das neue Trainertrio der Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft nach den ersten Tests besser ab als der Wintersportort. Für die Nati gilt «Pulver gut».

Wie die Wintertouristen auf den Schnee warten, haben die Schweizer Eishockeyfans ungeduldig auf die ersten Auftritte des neuen Trainertrios gewartet. Die Stimmung vor der Arosa Challenge war hoffnungsvoll, weil seit 1997 die Nationalmannschaft endlich wieder einmal von Schweizern geführt wird. Aber auch angespannt, weil keiner der drei Trainer über Erfahrung im internationalen Eishockey verfügt.

«  Den Einstiegstest haben die drei Trainer bestanden. »

Nach der Arosa Challenge muss dem neuen Trainertrio ein gutes Zwischenzeugnis ausgestellt werden. Das Trio funktioniert, die Spieler sind motiviert. Norwegen und die Slowakei sind nicht die grossen Gegner, den Einstiegstest haben die drei Trainer aber bestanden.

Patrick Fischer, Felix Hollenstein und Reto von Arx harmonieren. Optisch war das während den Spielen und den Trainings problemlos festzustellen. Fischer kümmert sich um die Stürmer, Hollenstein um die Verteidiger, Von Arx gibt allgemeine Inputs. Die Spieler sprechen unisono von einer sehr motivierten und professionellen Führung. Es mache Spass, in und mit der Nationalmannschaft zu spielen, sagen sie.

Wer die zwei Spiele gesehen hat, glaubt das. Tempo und Spielfreude wurden zum Teil fast schon zelebriert, ja sogar übertrieben. Dies gipfelte im ersten Spiel gegen Norwegen in Kombinations-Eishockey, dabei wurde das Wichtigste im Eishockeysport, der Torabschluss, fast vergessen. Fischer/Hollenstein/Von Arx haben diesen Punkt sofort aufgenommen und im zweiten Spiel gegen die Slowakei korrigiert.

«  Die Gefahr ist die hohe Fehlerquote. Eine Ungenauigkeit kann bereits verheerend sein. »

Phasenweise erinnerte die Spielweise der Schweizer in Arosa an die Art und Weise, wie 2013 unter Sean Simpson die WM-Silbermedaille gewonnen wurde. Schnell, aufsässig und frech. Die Gefahr dabei ist die hohe Fehlerquote. Eine Ungenauigkeit kann bereits verheerend sein und dem Gegner Torchancen ermöglichen. Das weiss Patrick Fischer, er war 2013 Assistenztrainer des Silberschmieds Sean Simpson. Fischer legt darum grossen Wert auf Disziplin, damit die Fehlerquote tief bleibt. Das war in Arosa im zweiten Spiel besser, vor lauter Spielfreude aber nicht immer zu sehen.

Das Trainertrio darf zuversichtlich ins neue Jahr schauen. Die nächsten Testspiele finden im Februar gegen Weissrussland und wieder gegen die Slowakei statt. Gute Tests im Hinblick auf die WM im Mai. Anders als für die Wintersportorte wie Arosa, wo das Altjahresgeschäft das Wichtigste ist, liegt der Hauptfokus der Nati auf der WM. Um an der Weltmeisterschaft in Moskau so richtig Erfolg zu haben, ist die unmittelbare Vorbereitung zentral. Dort muss der Zustand der Eishockey-Nati dann «Pulver sehr gut» heissen.

Sendebezug: SRF zwei, sportlive, 19.12.2015, 16:05 Uhr

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Christoph Sterchi ist Redaktionsleiter Sport und Eishockey-Experte bei Radio SRF.