Boucher und die «Cowboy-Attitüde»

Mit einem starr verordneten Defensiv-Konzept ersticke er die Kreativität, lautet die Kritik an SCB-Coach Guy Boucher. Der Kanadier selbst fordert aber von seinen Spielern, auch mal mit dem Kopf durch die Wand zu rennen.

Guy Boucher spricht mit Bud Holloway.

Bildlegende: Mit der Brechstange oder nach System? Boucher steht mit dem SCB vor dem Aus. EQ Images

Bern droht gegen Davos die Höchststrafe: Erstmals seit 19 Jahren könnten die «Mutzen» eine Playoff-Serie zu Null verlieren. Einen Erklärungsansatz dafür, dass die Berner - in der Qualifikation notabene noch das drittstärkste Offensivteam - keine Tore mehr schiessen, findet das Gros der Eishockey-Journalisten auch bei der Spielweise unter Trainer Guy Boucher.

«Zögerliche Spielweise»

Der SCB agiere «in der Offensive zu zaghaft, kompliziert und uninspiriert» schreibt der Blick. «Kreativität war nicht mehr gefragt, defensive Schwerarbeit gefordert», heisst es bei 20 Minuten. «Die Zaghaftigkeit (…) ist möglicherweise auch ein Produkt der zögerlichen Spielweise», stösst auch die NZZ in dieses Horn.

Video «Eishockey: 3. Playoff-Halbfinal Bern - Davos, Guy Boucher im Interview» abspielen

Boucher: «Haben super gespielt»

1:10 min, vom 21.3.2015

Ganz anders sieht dies der Adressat der Kritik selbst. Anzahl und Qualität der Chancen würden stimmen, man habe alles richtig gemacht, erklärte Boucher nach dem 0:2 am Samstag in Bern.

Der Coach lobte sein Team ausdrücklich dafür, nicht wie beim Auftritt am Donnerstag in Davos sein Konzept verloren und die Defensive entblösst zu haben. Die Quittung für den Berner Sturmlauf im Landwassertal war nämlich ein 0:4-Rückstand binnen 26 Minuten gewesen.

«Diszipliniert Richtung Endstation»

Vor dem nächsten Auftritt in Davos stellt sich nunmehr die Frage, ob Boucher tatsächlich vom eingeschlagenen Weg überzeugt ist und ihn konsequent zu Ende geht. «Diszipliniert Richtung Endstation», nennt dies die Berner Zeitung. Oder aber, ob er Fans und Journalisten im Moment der Entscheidung überrascht.

Bouchers Äusserungen während des Playoff-Halbfinals deuten nicht in diese Richtung. Er gab sich überzeugt, dass es nur an der Chancenauswertung und eben nicht an der Spielanlage mangle. Damit befeuerte er wiederum die Kritik, wonach er ratlos sei und keine Alternative vorzuweisen habe. Der Blick setzte ihm dafür eine «rosarote Brille» auf.

«Mit dem Kopf durch die Wand»

Schaut man etwas weiter zurück, präsentiert sich Boucher hingegen nicht als der dogmatische Verfechter defensiver Disziplin. In einem ausführlichen Interview mit der Schweiz am Sonntag erklärte der frühere NHL-Coach vor Saisonbeginn, wie er einen Teil der in Nordamerika verbreiteten «Cowboy Attitüde» in Bern implementieren wolle.

«Wenn etwas nicht klappt, versucht man es eher mal mit dem Kopf durch die Wand», führte er aus und forderte unmissverständlich: «Meine Spieler sollen verstehen, dass sie sich in einer Situation nicht nur auf ihr System verlassen dürfen, sondern auch Emotionen ins Spiel bringen müssen».

Sendebezug: SRF zwei, sportlive, 21.3.2015, 20:00 Uhr.

TV-Hinweis

TV-Hinweis

Die vierte Partie im Playoff-Halbfinal zwischen Davos und Bern können Sie am Dienstag ab 20:00 Uhr auf SRF zwei oder hier im Stream mitverfolgen.