Marcus Vinnerborg: Ein Star auf Schweizer Eis

Der Schwede Marcus Vinnerborg pfeift seit dieser Saison in der NLA. Nur den Wenigsten dürfte der 42-jährige Referee jedoch bekannt sein. Dabei ist Vinnerborg ein absoluter Star: Als erstem europäischen Unparteiischen gelang ihm der Sprung in die NHL.

Mit der Verpflichtung von Marcus Vinnerborg ist dem Schweizer Eishockey Verband ein grosser Coup gelungen. Bei gesamthaft 40 NHL- und 150 AHL-Spielen hatte der 42-jährige Schwede zwischen 2010 und 2012 das Sagen. Sein Erfahrungsschatz als Referee ist beeindruckend.

Werdegang zum Profi

Die beispielhafte Karriere von Vinnerborg fand ihren Anfang in seiner Heimat. Nach Beendigung seiner Aktivzeit als Eishockey-Spieler startete er 1987 in unterklassigen schwedischen Ligen seine Laufbahn als Unparteiischer. Im Jahr 2000 debütierte er in der höchsten Spielklasse (Elitserien) und erhielt 6 Jahre später zusammen mit Kollege Thomas Andersson den ersten Profivertrag als Schiedsrichter in Schweden.

Sprung über den Atlantik

2010 gelang Vinnerborg etwas, was vor ihm noch nie ein Europäer erreicht hatte: Der Sprung nach Nordamerika in die NHL - die beste Liga der Welt. «Es war ein Traum, aber kein Ziel», sagt der 42-Jährige bestimmt und fügt an: «Ziele muss man erreichen können und da niemand zuvor das geschafft hat, war es kein realistisches Ziel.»

Seine Vorreiterrolle macht Vinnerborg stolz: «Jetzt können sich europäische Schiedsrichter dieses Ziel setzen, jetzt ist es möglich geworden. Ich bin froh, ein Teil dieser Entwicklung zu sein.»

Belastung in Nordamerika

Trotz der strahlenden Wirkung der NHL litt der Schwede aber immer stärker unter dem enormen Stress, den ihm sein neuer Job in Nordamerika auflud. «Ich habe in 9 Monaten zwischen 150 und 160 Nächten in Hotels verbracht», erinnert sich Vinnerborg. Den Kontakt zu seinen Kindern habe er vermehrt verloren: «Ich wollte mehr Zeit mit meiner Familie verbringen.» Nach 2 Jahren NHL-Abenteuer kehrte er deshalb wieder nach Schweden zurück.

Neue Aufgabe in der NLA

Nun ist Vinnerborg erneut dem Ruf aus dem Ausland gefolgt und pfeift seit dieser Saison in der Schweiz. Ihm ist klar, dass er sich trotz seines grossen Namens auch hier zuerst Akzeptanz zu erarbeiten hat: «Du musst immer das Vertrauen von Spieler und Coaches gewinnen, egal in welcher Liga du anfängst.» Vom Schweizer Eishockey hält er jedenfalls viel. Vinnerborg sagt: «Man ist offensiv ausgerichtet, es gibt viele Torchancen. Das macht das Eishockey sehr interessant.»

Sendebezug: Radio SRF 3, Abendbulletin, 09.10.2014, 18:45 Uhr