Philippe Furrer: «Wir sind einfach 'geili Sieche'»

SCB-Verteidiger Philippe Furrer hat nie einen Gedanken daran verschwendet, dass er mit seiner Mannschaft bereits im Viertelfinal scheitern könnte. Im Interview spricht der 27-Jährige über die Moral des Teams, den Halbfinal-Gegner Zug und Topskorer Byron Ritchie.

Philippe Furrer hat immer an das Weiterkommen seiner Mannschaft geglaubt.

Bildlegende: Das Lachen nie verloren Philippe Furrer hat immer an das Weiterkommen seiner Mannschaft geglaubt. EQ Images

Philippe Furrer, Sie mussten aufgrund einer Hirnerschütterung die ersten beiden Playoff-Spiele zuschauen. Schmerzte es, während der heissen Phase der Meisterschaft nicht spielen zu können?

Furrer: Es schmerzte sehr und war nicht einfach. Vor allem, weil ich eingreifen wollte, aber nicht konnte. Und dann kommt man direkt in die Playoff-Zeit hinein, was es nicht einfacher macht. Aber jetzt bin ich wieder voll da.

« Bin nicht angestellt, um viele Tore zu schiessen. »

Sie haben im 5. Playoff-Spiel gegen Genf ihren 1. Saisontreffer erzielt. Dazu noch ein enorm wichtiger.

Das stimmt. Ich bin froh, dass ich nach meiner Verletzung der Mannschaft helfen konnte. Leider hat es vor meinem Ausfall nicht so geklappt, wie ich mir das erhofft hatte. Aber ich bin ja auch nicht dazu angestellt, um viele Tore zu schiessen…(lacht).

Bern war praktisch schon ausgeschieden. Was gab den Ausschlag, dass sich der SCB noch zurückkämpfte?

Wir haben als Team nie aufgegeben. Auch wenn andere Sachen geschrieben wurden, wir wussten immer, dass wir besser Eishockey spielen können. Wir haben es nie akzeptiert, dass wir diese Serie verlieren könnten. So haben wir bis zum Schluss gekämpft und auch das Glück auf unsere Seite gezwungen.

War ein eventuelles frühes Scheitern nie ein Thema innerhalb Mannschaft?

Diesen Eindruck hatte ich nie, weder bei mir noch bei der Mannschaft. Wir kassierten zu viele unnötige Treffer. Aber wir haben immer daran geglaubt, dass es irgendwann auf unsere Seite kippen wird. Wir wussten, dass wir eigentlich die bessere Mannschaft sind.

Bern stand gegen Genf spätestens seit dem 1:3 unter grossem Druck. Wie war die Stimmung im Team nach dem erlösenden Sieg im 7. Spiel?

Die Freude nach einem solchen Spiel ist schon enorm. Von aussen haben wir nie Druck verspürt, aber wir wollten einfach mehr. Es braucht aber schon eine enorme Willensleistung, um eine solche Serie noch zu drehen. Daher dachte ich, dass wir einfach ‚geili Sieche‘ sind, so etwas geschafft zu haben. Und das hilft uns auch mental weiter und macht uns stärker. Man hat dies schon im 7. Spiel gesehen, jeder von uns war voll parat.

Nun geht es gegen den EV Zug. Vor 4 Jahren scheiterte der SCB als Quali-Sieger an den Zentralschweizern. Was für eine Serie erwarten Sie?

Es wird sicher wieder eine enge Serie geben. Zug ist vor allem im Spiel nach vorne sehr schnell und überraschend. Sie stehen defensiv kompakt und können dann blitzschnell in die Offensive umschalten.

« Wir haben gegen Genf genügend Geschenke verteilt. »

Die beste Defensive der Quali (Bern) trifft auf die beste Offensive (Zug). Der SCB wirkte in der Verteidigung zuletzt nicht so sattelfest wie gewohnt. Wird man gegen Zug wieder vermehrt auf die Defensive bauen, um nicht in den ‚Hammer‘ zu laufen?

Genau dort müssen wir den Hebel ansetzen. Jeder Einzelne muss an seinem Defensivspiel arbeiten, damit wir so wenige Chancen wie möglich zulassen. Wir haben gegen Genf genügend Geschenke verteilt. Und wenn wir hinten gut stehen, dann eröffnen sich für uns vorne die Tor-Möglichkeiten.

Bern überzeugt vor allem durch 4 ausgeglichene Linien. Mit Byron Ritchie stach in den letzten Partien aber ein Einzelspieler aus dem Kollektiv heraus. Welche Rolle hat der Kanadier innerhalb des Teams?

Ritchie ist für uns sehr wichtig. Er ist nicht umsonst unser Topskorer. Ritchie ist ein stiller Leader im Team. Er redet zwar nicht viel, aber wenn er etwas sagt, dann hat das sehr viel Gewicht. Bei ihm merkt man, dass er sein ganzes Herz ins Team gibt und alles für die Mannschaft tut. Das inspiriert auch die anderen Spieler im Team.

Sie stehen seit 2002 beim SCB unter Vertrag. Ihr Kontrakt läuft bis 2015. verfolgen Sie noch andere Ziele, als beim SCB zu spielen?

Klar verfolge ich die. Aber jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt, um darüber zu sprechen. Sie dürfen mich aber gerne nach den Playoffs nochmal einmal fragen…

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Der einzige Saisontreffer von Philippe Furrer

0:24 min, vom 12.3.2013

Zur Person

Zur Person

Philippe Furrer (27) steht seit 2002 beim SC Bern unter Vertrag. Der Kontrakt des Berners läuft bis 2015. Furrer wurde 2003 in der 6. Runde an Position 173 von den New York Rangers gedraftet, gespielt hat der Verteidiger in der NHL aber nie. In der aktuellen Saison erzielte er bisher 13 Skorerpunkte (1 Tor/12 Assists).