SC Bern - Kampf gegen den «Meisterfluch»

Glaubt man der Statistik der letzten Jahre, dann wird Bern diese Saison den Meisterpokal nicht verteidigen können. Mit der grössten Fankulisse im Rücken und geschickten Transfers bleibt der SCB aber wie immer heisser Titelanwärter.

Die Eishockey-Euphorie in der Hauptstadt ist ungebremst. Bereits Ende August waren 13'000 Saisonkarten weg und der Vorverkauf wurde gestoppt - so früh, wie noch nie zuvor. Damit dürfte der 17'131 Zuschauer fassende Berner Hockey-Tempel auch in der neuen Saison stets gut gefüllt bis proppenvoll sein.

ZSC Lions 2001 letzte Titelverteidiger

Das grosse Interesse an den «Mutzen» macht aber auch deutlich: Der Meistertitel der letzten Saison hat den Hunger der SCB-Fans nicht etwa gestillt, sondern Lust auf mehr gemacht. Dass die Berner den Titel jedoch verteidigen, scheint zumindest statistisch gesehen unwahrscheinlich. Denn seit den ZSC Lions 2001 hat dies keine Mannschaft mehr geschafft.

Das neue SCB-Dress

Bildlegende: Das neue SCB-Dress Bei den Fans sorgte das neue Gewand für wenig Begeisterung. scbshop.ch

Für Routinier Martin Plüss ist der «Meisterfluch» aber Ansporn. «Wir haben die Qualität und die Einstellung, um Meister zu werden. Es ist eine Challenge für uns, diesen Titel zu verteidigen», sagt der Stürmer, der sein 6. Jahr im auf diese Saison hin neugestalteten SCB-Dress in Angriff nimmt.

Mannschaftsgefüge stimmt noch nicht

Doch in der Vorbereitung traten die Berner alles andere als meisterlich auf. «Die Resultate waren nicht gut», so Plüss. «In der European Trophy wollten wir den Final erreichen, sind aber kläglich gescheitert.» Der SCB konnte in seiner Gruppe nur 3 von 8 Partien gewinnen und musste sich mit dem 8. und letzten Rang bescheiden. «Als Mannschaft funktionieren wir noch nicht so gut zusammen», nimmt Plüss kein Blatt vor den Mund.

Dabei wurde das Mannschaftsgefüge im Team von Antti Törmänen auf die neue Saison hin kaum verändert. Die beiden Tschechen Jaroslav Bednar und Petr Sykora verliessen die Hauptstadt, mit dem finnischen Stürmer Mikko Lehtonen von den ZSC Lions wurde ein neuer Ausländer verpflichtet.

Fragezeichen bei Moser

Als geschickten Schachzug von Sportchef Sven Leuenberger könnten sich die Transfers von Alexej Dostoinov und Justin Krueger herausstellen. Dostoinov, russisch-amerikanischer Doppelbürger mit Schweizer Lizenz, hat in der vergangenen Saison bei Lausanne in 71 Partien 71 Skorerpunkte (28 Tore) gesammelt.

Auch Krueger belastet als Deutsch-Kanadier mit Schweizer Lizenz das Ausländerkontingent nicht. Der 26-jährige Verteidiger war 2010/11 schon einmal beim SCB angestellt gewesen und hat nun in den letzten beiden Jahren in der AHL bei den Charlotte Checkers nordamerikanische Härte zugelegt.

Bleibt noch Simon Moser. Sollte sich der Ex-Langnauer im Trainingscamp bei den Nashville Predators nicht durchsetzen, würde er den SCB garantiert verstärken.

«Wollen Titel verteidigen»

So oder so ist Bern erneut ganz klar Anwärter auf den «Kübel». Und schliesslich bestätigt auch Plüss: «Es ist unser Ziel, den Titel zu verteidigen.» Dem «Meisterfluch» zum Trotz.