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WM Minsk: Der WM-Gastgeber versteckt seine Schattenseiten

Der autoritär herrschende weissrussische Präsident Alexander Lukaschenko will die Eishockey-WM im eigenen Land zur Selbstinszenierung nutzen. Die Hauptstadt Minsk soll erstrahlen - Proteste dürften im Keim erstickt werden.

Legende: Video Minsk vor der Hockey-WM: zwischen Vorfreude und Lethargie abspielen. Laufzeit 11:58 Minuten.
Aus sportlounge vom 05.05.2014.

In der weissrussischen Hauptstadt Minsk findet ab Freitag die WM 2014 statt. Der Gastgeber will sich im besten Licht zeigen. Neben dem 15'000 Plätze umfassenden Minsk Stadium investierte das Regime in einen zweiten Eishockey-Palast: die 9600 Zuschauer fassende Tschischowka Arena im Süden von Minsk. Strassen in der Umgebung der Stadien werden geputzt, Grünanlagen gepflegt. So weit so normal.

Ansonsten unterscheidet sich die WM von früheren Titelkämpfen vor allem dadurch, dass sie im Land mit der umstrittensten Regierung Europas stattfindet. Das weissrussische Zehn-Millionen-Volk wird seit 20 Jahren vom selben Mann regiert, Alexander Lukaschenko.

Säuberungsaktion vor der WM

Der 59-Jährige unterdrückt die Opposition brutal. Seit den - gemäss OSZE-Beobachtern manipulierten - Wahlen 2010, in deren Zug zahlreiche Oppositionelle verhaftet wurden, herrscht in dem Land eine Art Grabesruhe.

Laut Amnesty International ist die Meinungs- und Versammlungsfreiheit massiv eingeschränkt. Alleine in den letzten April-Tagen seien 16 Regierungsgegner festgenommen worden. Andersdenkende werden in unfairen Prozessen oft zu langjährigen Haft- oder Lagerstrafen verurteilt.

Legende: Video Andrej Kostitsin: «Müssen unserem Präsidenten danken» abspielen. Laufzeit 00:22 Minuten.
Aus Sport-Clip vom 06.05.2014.

Propaganda-Welle

Die Repression hat derartige Ausmasse angenommen, dass sich kaum jemand öffentlich regierungskritisch äussert. Wie anders wäre es zu erklären, dass ein gestander weissrussischer NHL-Star wie Andrej Kostitsin einen Satz äusserst wie: «Wir müssen unserem Präsidenten danken; nur dank seiner Liebe zum Eishockey konnten wir den Sport hier in Weissrussland auf Weltniveau weiterentwickeln.»

Weissrussland ist zudem das einzige europäische Land, in dem die Todesstrafe vollstreckt wird - letztmals offenbar vor einigen Wochen. Vor der WM hat die Opposition ausländische Besucher dazu aufgerufen, sich sichtbar mit den politischen Gefangenen zu solidarisieren (etwa durch das Tragen entsprechender T-Shirts oder Buttons). Ausländische Regierungsvertreter sollen der WM komplett fernbleiben.

Wiederaufgebaute Altstadt

Dabei hätte es Minsk verdient, dass der Stadt ein zweiter Blick geschenkt wird: In dem bald 1000-jährigen Ort stehen trotz grosser Zerstörung im 2. Weltkrieg zahlreiche sehenswerte Bauten, so die Heiliggeist-Kathedrale in der teilweise wiederaufgebauten Altstadt, die Oper oder die Nationalbibliothek. In rund 20 Museen kann man sich über die weissrussische Geschichte und Kunst informieren.

4 Kommentare

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  • Kommentar von R. Schuler, Luzern
    Lieber Herr Gohl Ich war mehrere Male in Weissrussland und bin mit einer Weissrussin verheiratet. Ihr Kommentar zeugt leider von null Respekt im Bezug auf die Werte, welche wir in den westlichen Ländern einfach so selbstverständlich hinnehmen. Wir Schweizer können nicht mal ansatzweise nachvollziehen was es heisst in einem solchen Staat zu leben - das konnte ich vorab auch nicht. Inzwischen schätze ich sehr was wir hier haben im Vergleich zu Staaten wie Weissrussland.
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  • Kommentar von Ernst Gohl, Brig
    Wer von den Kritikern in den westlichen Foren, war denn schon selbst einmal vor Ort in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion? Die Allerwenigsten, wage ich zu behaupten. Was ebenso schwer wiegt, ist, dass kaum jemand im Westen Russisch spricht. In Westeuropa sind wir Opfer der amerikanischen Propaganda.
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  • Kommentar von O. Egli, BS
    wenn man sieht in welche Regionen Sportgrossanlässe der nächsten 10 Jahren vergeben wurden, liegt Weissrussland doch voll im Trend.
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    1. Antwort von Adrian Flükiger, Bern
      @Egli: Richtig, aber der Blick ist nicht nur auf die Zukunft zu richten, sondern er verfängt auch in Bezug auf die aller jüngste Vergangenheit (Sotschi) und die EURO 2012... alles Länder die primär von Machtver- und besessenen Halunken regiert werden. Doch diese alleine sind nicht das Problem. Ursprung dieser Übel sind die grossen Sportverbände. Mit Blatter (FIFA) und Fasel (IIHF) stehen dabei zwei Schweizer als Chef Funktionäre an der Spitze und sind somit seit Jahren Teil des Problems!
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