Bertolini: «Das war kein Platzverweis»

Die umstrittene Rote Karte gegen Nani hat das Achtelfinal-Rückspiel in der Champions League zwischen Manchester United und Real Madrid in andere Bahnen gelenkt. Für den Schweizer Schiedsrichter-Chef Carlo Bertolini war der Platzverweis ein zu harter Entscheid.

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Fussball: Ferguson über Platzverweis gegen Nani empört

1:04 min, vom 6.3.2013

Bis kurz vor Ablauf einer Stunde hatte Manchester United das Geschehen gegen Real im Griff und konnte kurz nach der Pause durch ein Eigentor von Sergio Ramos gar in Führung gehen. Nach dem 1:1 im Bernabeu befanden sich die «Red Devils» auf direktem Weg in die Viertelfinals.

Doch dann folgte der Auftritt des türkischen Schiedsrichters Cüneyt Cakir, der im Mutterland des Fussballs für rote Köpfe sorgte: United-Spieler Nani - die Augen nur auf den Ball gerichtet - traf Real-Verteidiger Alvaro Arbeloa mit gestrecktem Bein in der Magengegend. Zum Entsetzen der Engländer zückte Cakir direkt die Rote Karte und schickte den Portugiesen unter die Dusche.

«Gelbe Karte wäre gerecht gewesen»

Für Carlo Bertolini wäre eine gelbe Karte gerecht gewesen.

Bildlegende: Zu hart Für Carlo Bertolini wäre eine gelbe Karte gerecht gewesen. KEY

Für Carlo Bertolini, Chef der Schweizer Schiedsrichter, ein zu harter Entscheid. Der Tessiner: «Anhand der TV-Bilder bin ich der Meinung, dass eine gelbe Karte gerecht gewesen wäre. Es war keinesfalls ein Platzverweis.»

Trotzdem nimmt der Tessiner Cakir auch in Schutz und erklärt: «Der Schiedsrichter beobachtete aus gut 20 Metern Entfernung, dass Nani mit hohem, gestrecktem Bein auf seinen Gegenspieler Arbeloa losging. Leider befand er sich hinter dem Portugiesen, sodass er nicht bemerkte, dass dieser sich nur auf den Ball konzentrierte und so Arbeloa nicht kommen sah. Der Tritt war keinesfalls Nanis Absicht.» Nach Meinung Bertolinis hätte Cakir nicht auf Platzverweis entschieden, wenn er die Szene aus einem anderen Blickwinkel betrachtet hätte.

UEFA-Verfahren gegen Ferguson

United-Coach Alex Ferguson war so erzürnt, dass er der Pressekonferenz nach Spielschluss fernblieb. Stattdessen liess er seinen Assistenen Mike Phelan Auskunft geben. «Ich glaube nicht, dass der Manager etwas Druckreifes zum Entscheid sagen könnte», meinte Phelan. Wegen des Medienboykotts leitete die UEFA ein Verfahren gegen Ferguson ein.

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Die Rote Karte gegen Nani («sportlive»)

0:51 min, vom 6.3.2013

«Schwacher Schiedsrichter»

In England gleichen sich auch auf Twitter die Meinungen zum Platzverweis gegen Nani: Ex-United-Spieler Michael Owen beispielsweise twitterte: «Einer meiner Kumpels fragte bei einem bekannten Premier-League-Schiedsrichter nach. Dieser fand den Platzverweis berechtigt. Ich bin nicht dieser Meinung.» Gary Neville, auch ein ehemaliger «Red Devil», blies ins selbe Horn: «Nani versucht oft, Bälle so anzunehmen. Es war niemals eine Rote Karte und änderte das gesamte Spiel. Schwacher Schiedsrichter...»