Heynckes: Das alte Versprechen ist eingelöst

Jupp Heynckes ist auf dem besten Weg, mit Bayern München das historische Triple mit Meisterschaft, Champions League und Pokal zu schaffen. Der 68-jährige Rheinländer formte den deutschen Rekordmeister innerhalb von nur 2 Jahren zu einem Erfolgsensemble.

Jupp Heynckes

Bildlegende: Ein Champion: Unter Jupp Heynckes spielten die Bayern den attraktivsten und erfolgreichsten Fussball Europas. Reuters

Man schrieb das Jahr 1989, als Jupp Heynckes an der Meisterfeier des FC Bayern auf dem Rathausbalkon den folgenden Satz sprach: «Ich verspreche euch hiermit, dass wir im nächsten Jahr den Europapokal holen!» Er sollte nicht Recht behalten: Die Deutschen scheiterten im Halbfinal am späteren Sieger AC Milan und im Oktober 1991 wurde Heynckes nach einer Niederlagenserie entlassen.

Das «Triple» vor Augen

Rückblickend sagte Bayern-Präsident Uli Hoeness: «Diese Freistellung war die grösste Fehlentscheidung meines Lebens.» 20 Jahre später - Heynckes hatte sich bereits auf seinen Bauernhof im Schwalmtal zurückgezogen - gab er dem Trainer eine zweite Chance. Und der Mann aus Mönchengladbach packte diese. Er formte aus den Bayern innert 2 Jahren eine Mannschaft, die einen fantastischen Fussball spielt. Und welche jetzt, nach der Rekordsaison in der Bundesliga und dem Champions-League-Triumph, nach dem ersten «Triple» der Klubgeschichte greift.

Lob für die Spieler - und sich selbst

«Noch nie hat eine Mannschaft so erfolgreich, attraktiv und kreativ Fussball gespielt wie wir in dieser Saison», freute sich Heynckes nach dem klaren Halbfinal-Triumph gegen den FC Barcelona. Diese Worte waren ungewöhnlich forsch für einen Mann, der in der Regel nicht das Rampenlicht sucht und sich gerne bescheiden gibt. Auch im Moment seines grössten Erfolges blieb er gewohnt sachlich: «Wir haben für diesen Erfolg unheimlich hart gearbeitet», sagte er nach dem 2:1-Sieg gegen Dortmund. «Ich freue mich vor allem für meine Spieler. Ich habe noch nie eine Mannschaft erlebt, die auf und neben dem Spielfeld derart gut harmoniert.»

Rücktritt auf dem Höhepunkt?

Wie geht es weiter mit dem 68-Jährigen, der als 4. Trainer nach Ernst Happel (Meisterpokal), José Mourinho und Ottmar Hitzfeld die Champions League mit zwei verschiedenen Klubs gewinnen konnte? Heynckes wird im Sommer bei den Bayern von Pep Guardiola abgelöst - doch sein Karrierenende hat er noch nicht offiziell erklärt. «Nach 50 Jahren im bezahlten Fussball muss man sich natürlich Gedanken machen, ob die Zeit gekommen ist, um sich in den Ruhestand zu begeben», sagte er vor einigen Wochen. Vielleicht wusste er damals noch nichts vom Interesse seines Ex-Klubs Real Madrid.