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Champions League Knäbel: Unterschied zwischen Wicky und Fischer im Promillbereich

Peter Knäbel analysiert für SRF die Spiele des FCB in der Champions League. Vor dem Kracher gegen Manchester United (20:10 Uhr, SRF zwei) schätzt der Deutsche die Chancen des Schweizer Meisters ein.

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Legende: Analysiert die FCB-Spiele für SRF Peter Knäbel. EQ Images

Peter Knäbel, was halten Sie von José Mourinho?

Ein sehr erfolgreicher Trainer. Jemand, der bei seinen ehemaligen Spielern einen guten Ruf geniesst. In der Aussenwahrnehmung kann er aber auch ambivalent erscheinen.

Ist die Rückkehr von Zlatan Ibrahimovic vielleicht gar ein Problem, wenn man die gute Form von Lukaku, Martial und auch Rashford betrachtet?

Es ist natürlich ein Qualitätszeugnis, wenn man einen solchen Spieler zur Verfügung hat. Er ist eine valable Alternative im Zentrum, wenn Manchester United mit zwei Stürmern spielt. In seinem Alter ist es aber kein Schleck, nach solch einer Verletzung zurückzukehren. Es wird sich im Wettbewerb zeigen, ob er an alte Stärke anknüpfen kann.

Die Engländer holen neu auch Scouts wie zuletzt Sven Mislintat aus Dortmund.

Romelu Lukaku wurde kürzlich nach 5 torlosen Spielen ausgepfiffen im Old Trafford. Mourinho nahm seinen Stürmer dann in Schutz. Haben Sie für so etwas Verständnis?

Schlechte Leistungen gehören dazu. Das weiss jeder Spieler. Die Engländer sind aber auf schlechte Einstellung sensibilisiert. Am Anfang hatte Lukaku eine Traumquote, traf in jedem Spiel. Die Pfiffe resultierten wohl aus einer enttäuschten Erwartungshaltung.

Legende: Video Wie Knäbel die CL-Spiele analysiert abspielen. Laufzeit 02:17 Minuten.
Aus Sport-Clip vom 21.11.2017.

Die Engländer scheinen es in dieser CL-Kampagne wissen zu wollen. Worauf gründet dieser Aufschwung?

Die Nachwuchs-Nationalteams zeigen, dass vieles richtig gemacht wird. Man kann aber auch sagen, dass das Geld wirkt. Sie holen jetzt nicht mehr nur Spieler und Trainer aus dem Ausland, sondern auch Scouts wie zuletzt Sven Mislintat aus Dortmund (zu Arsenal, die Red.). Es ist eine logische Entwicklung. Betrachtet man die Finanzen, müsste der Abstand aber noch viel grösser sein.

Wieviel Chancen räumen Sie dem FCB ein?

In einem Spiel kann immer alles passieren. Es muss natürlich viel zusammenpassen, damit es zu einer magischen Nacht wie gegen Benfica kommt. Und Manchester United ist schon ein anderes Kaliber.

Der FCB ist unter Wicky taktisch flexibler. Das Umschaltspiel wurde verstärkt.

Gibt es überhaupt eine Position, auf welcher der Schweizer Meister besser besetzt ist?

Nein. Aber 11 Mal 1 + 1 + 1 ... etc. gibt im Fussball ja manchmal 15 und manchmal 8. Das ist die Erfolgsformel, auf welche sich auf dem Papier schlechtere Teams berufen. Entscheidend ist die Solidarität der Mannschaft, vor allem in der Abwehr.

Wie beurteilen Sie die spielerische Entwicklung unter Trainer Raphael Wicky. Ist seine Handschrift gegenüber jener seines Vorgängers Urs Fischer ersichtlich?

Das ist eine schwierige Frage. Man sieht den Unterschied bezüglich Personal, also dem Altersschnitt und der Breite des Kaders. Im Spielstil sind das nur Nuancen, da muss man schon ganz genau hinschauen. Unter Wicky wurde das Umschaltspiel verstärkt, klar. Und das Team ist taktisch flexibler. Aber unter dem Strich sind das Unterschiede im Prozent- oder gar Promillbereich.

Wie meinen Sie das?

Ich glaube nicht, dass der Fan einen grossen Unterschied sieht. Fischer hatte das Problem, viele Spieler zu haben, die den Anspruch hatten zu spielen. Dafür muss Wicky jetzt mit einem jungen Kader zurechtkommen. Eine Führung zu verteidigen, hat viel mit Erfahrung zu tun. Das hat man gegen ZSKA gesehen. Aber die Entwicklung ist positiv. Wicky macht einen guten Job.

Noch eine persönliche Frage: Macht Ihnen die Arbeit als TV-Experte Spass? Haben Sie schon Feedbacks erhalten?

Es macht extrem Spass. So weit ich das von den Rückmeldungen her beurteilen kann, kann ich dem TV-Zuschauer offenbar etwas mitgeben. Das motiviert mich sehr.

Legende: Video Der neue SRF-Fussball-Experte Peter Knäbel im Porträt abspielen. Laufzeit 00:50 Minuten.
Aus Sport-Clip vom 12.09.2017.

Sendebezug: SRF zwei, sportflash, 21.11.2017, 20:00 Uhr