«Mysterium» Rostow

Rostow, Russlands Vize-Meister und Auftaktgegner von Bayern München in der Champions League, ist ein unbeschriebenes Blatt – und für manchen ein «Mysterium».

Das Team von Rostow beim Abschlusstraining in München

Bildlegende: Premiere in der «Königsklasse» Was kann das Team aus Rostow? Keystone

Im vergangenen Mai kam der sensationelle Höhenflug des FK Rostow sogar der FIFA seltsam vor. Nach dem 3:1-Erfolg des Tabellen-Zweiten der russischen Premjer Liga bei Dynamo Moskau rückten mitten im Titelkampf die Dopingjäger des Weltverbandes in der Gästekabine an – und testeten alle Spieler aus der Startelf. Die FIFA hatte Hinweise auf kollektives Meldonium-Doping erhalten.

Russlands Sportminister Witali Mutko protestierte. «Die Geschichte über Doping beim FK Rostow ist ausgedacht», sagte er. Assistenzcoach Witali Kafanow meinte: «Wir haben ja noch nicht mal Geld für normale Medizin.» Tatsächlich gab es bald Entwarnung, alle Tests waren negativ. Rostow ging unbelastet ins Meisterschaftsfinale, konnte ZSKA Moskau aber nicht mehr abfangen.

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Bayerns Neuer, Müller und Ancelotti vor dem Spiel gegen Rostow

1:50 min, vom 12.9.2016

Verbindungen in die Politik

Die Vize-Meisterschaft ist neben dem Pokalsieg 2014 dennoch der grösste Erfolg dieses Klubs. Rostow am Don, das «Tor zum Kaukasus» rund 1100 km südlich von Moskau, war bislang tiefste Fussball-Provinz. Dennoch entschloss sich das WM-OK, die zehntgrösste Stadt des Landes (1,1 Millionen Einwohner) zum Spielort 2018 zu machen – inklusive Neubau der Rostow-Arena für 45'000 Zuschauer. Wohl auch wegen Hauptsponsor Ivan Savvidis.

Dem griechisch-russischen Unternehmer gehört nicht nur PAOK Saloniki, er war auch Präsident des FK Rostow. Savvidis ist Chef des grössten russischen Tabakherstellers und zog für Putins «Vereinigtes Russland» zweimal in die Duma ein. Als Besitzer des Vereins, der gemäss dem kicker «auch in Russland als Mysterium» gilt, firmiert jedoch die Regionalregierung.

«  Viele glauben, dass Rostows Märchen auserzählt ist, aber wir wollen weitermachen. »

Igor Kirejew
Spieler von Rostow

Noch wird im wenig schmucken Olimp-2-Stadion vor bis zu 15'840 Fans gespielt – teils begeisternd. In der Qualifikation zur Champions League schaltete Rostow den RSC Anderlecht (2:2, 2:0) und Ajax Amsterdam (1:1, 4:1) aus. Der Lohn für den Neuling in der Königsklasse: Ein Gastspiel zum Auftakt in Gruppe D bei Mitfavorit Bayern München.

«Wir wollen die Grossen ärgern», sagt Christian Noboa. Der Nationalspieler aus Ecuador ist Mittelfeldchef und war mit drei Treffern gefährlichster Schütze in der Quali. Daneben sind der iranische Stürmer Sardar Azmoun und die offensiven Russen Dimitri Poloz (beide zwei Treffer) sowie Aleksandr Jerochin zu beachten. «Viele glauben, dass Rostows Märchen auserzählt ist, aber wir wollen weitermachen», sagt ihr Teamkollege Igor Kirejew.

Was trauen Sie Rostow gegen die Bayern zu?

  • Ein Überraschungssieg ist möglich.

    21%
  • Mehr als ein Unentschieden liegt nicht drin.

    11%
  • Es setzt eine Niederlage ab.

    67%
  • 690 Stimmen wurden abgegeben

Sendebezug: Laufende Berichterstattung zur Champions League