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Ohne «Lewa» – bald ohne Flick? Der FC Bayern und die Bedeutungslosigkeit der Mathematik

Trainer-Diskussionen zur Unzeit: Die Bayern brauchen gegen PSG ohne Robert Lewandowski ein kleines Wunder.

Hansi Flick
Legende: Hansi Flick Der Trainer kann aktuell nicht mit dem Halbfinal in der Königsklasse rechnen. Und der FC Bayern mit ihm? Keystone

Der FC Bayern München hat sein Viertelfinal-Hinspiel in der Champions League gegen Paris St-Germain 4:1 gewonnen. Zumindest in jener Parallelwelt, in welcher die Statistik über Sieg und Niederlage entscheidet. Bei 31:6 Abschlüssen sowie 15:1 Eckbällen mutet die 2:3-Heimpleite tatsächlich fast grotesk an. Auch die elaboriertere Rechnung der «Expected Goals» sprach mit 3,8 zu 1,3 für einen deutlichen Bayern-Erfolg.

Was sind «Expected Goals»?

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Um die Kräfteverhältnisse einer Fussballpartie noch genauer darzustellen, entwickelten Statistiker vor ein paar Jahren die «Expected Goals». Dabei wird jeder Torchance die Wahrscheinlichkeit, zu einem Tor zu führen, zugeteilt. Diese ist unter anderem abhängig von Distanz und Winkel zum Tor sowie der Anzahl Gegenspieler, die sich dem Angreifer in den Weg stellen.

Ein Penalty erhält beispielsweise den Wert 0,77. Das bedeutet: Von 100 getretenen Elfmetern landen deren 77 im Tor.

Doch grau ist alle Theorie und entscheidend ist auf dem Platz. PSG setzte sich in München 3:2 durch, was aus Sicht der Hausherren grob auf zwei Missstände zurückzuführen ist: die Ineffizienz in der Offensive und die Unordnung in der Verteidigung. Zumal beim ersten Gegentreffer auch der sonst so sichere Keeper Manuel Neuer nicht gut aussah. Beim Tor von Marquinhos stimmte das Timing nicht. Der für den verletzten Niklas Süle eingewechselte Jérôme Boateng agierte dann beim 3. Pariser Treffer hüftsteif.

Um die Probleme im Angriff zu erklären, ist nur ein Name notwendig: Robert Lewandowski. Der polnische Goalgetter fehlte wegen einer Bänderverletzung. Er traf in dieser Saison bis zu seinem Ausfall in 36 Pflichtspielen 42 Mal, steuerte zudem 8 Assists bei. 50 direkte Beteiligungen bei 71 Toren – die fussballerische Definition einer Lebensversicherung.

Ohne «Lewa» erzielten die Bayern ausser gegen Köln (2:1) nie mehr als ein Tor (1:0 gegen Leipzig, 1:1 gegen Atletico). Oder wie SRF-Experte Peter Knäbel ausdrückte: «Ohne ihn fehlen dem FC Bayern 20 Prozent.» Das muss sich kommende Woche ändern, wollen die Bayern doch noch in den Halbfinal der Königsklasse einziehen: Ein Blitzcomeback im Rückspiel in Paris am Dienstag schloss Lewandowski nämlich aus.

Ich muss aber nicht immer alles beantworten. Ich muss auch ein bisschen schauspielern.
Autor: Hansi Flick

Nach dem Spiel sorgte dann auch noch Trainer Hansi Flick für Irritationen. Darauf angesprochen, dass Sportchef Hasan Salihamidzic vor der Partie verkündete, Boatengs Vertrag Ende Saison nicht zu verlängern, meinte Flick: «Ich muss hier professionell den Fragen antworten. Ich muss aber nicht immer alles beantworten. Ich muss auch ein bisschen schauspielern.» Beim Coach steht der deutsche Verteidiger jedoch hoch in der Gunst. Es scheint also durchaus Feuer unter dem Münchner Dach zu sein.

Oder wie man es in der mathematischen Parallelwelt aufschlüssen würde: Uneinigkeiten mit dem Sportchef + DFB-Avancen für die Löw-Nachfolge = mächtig Diskussionsstoff an der Säbener Strasse.

Video
Archiv: PSG bezwingt Bayern
Aus Sport-Clip vom 07.04.2021.
abspielen

SRF zwei, sportlive, 7.4.2021, 20:40 Uhr;

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14 Kommentare

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  • Kommentar von Roland Gasche  (NachDenker)
    @J. Baumgartner, du scheinst ja sehr genau über die Bücher von Bayern Beschied zu wissen-von wegen Bayern besteht nicht nur aus Geld. Woher kommt wohl Geld für die Gehälter der Spieler. Der Unterschied ist, die Bayern geben sich sehr bedeckt, wenn es um Geld geht, andere Clubs machen da weniger ein Geheimnis daraus. Zudem kann man sich nicht auf die Aussagen an die und von der Presse verlassen, reine Spekulationen. Ach ja die Bayern setzen auch noch auf Weisswürste von Uli.
  • Kommentar von Urs Schärer  (Schärer)
    Gratulation an PSG das war nun ein Hammerspiel mit einem verdienten Sieger und PSG wird Bayern in die Schranken weisen und den Cup gewinnen. München wird für längere Jahre noch mehr die Stärke haben wie im 2019, da mehrere Leistungsträger den Rücken zudrehen werden. Hoffe auf ein attraktives Rückspiel.
    1. Antwort von Jonas Baumgartner  (J. Baumgartner)
      Schaut man sich die Statistiken an, dann scheint PSG einfach verdammt effizient gewesen zu sein. Verdient hat sich PSG den Sieg mit einem Tor mehr. So ist der Sport. Ich hoffe aber dennoch, dass die Millionentruppe aus Paris weiterhin ohne CL-Pokal bleibt. Im Gegensatz zu PSG besteht der Erfolg bei Bayern nicht nur aus Geld, welches man in den Hintern gestopft bekommt.
  • Kommentar von Peter Müller  (pedromulinho)
    Das gestrige Spiel war ein wahrer Leckerbissen. Bei PSG stechen die Einzelspieler heraus (Mbappé ist inzwischen seit mehreren Saisons überragend). Trotzdem glaube ich als neutraler Beobachter dass die Bayern das Ding noch kehren können wenn ihnen im Rückspiel nicht dieselben Fehler unterlaufen