Zidane: Auf den Hype folgte Ernüchterung

Seit Anfang Jahr ist Zinédine Zidane Trainer von Real Madrid. Die «Königlichen» erzielen zwar viele Tore, restlos überzeugt haben sie unter dem neuen starken Mann aber nicht. Eine Zwischenbilanz.

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Zidane vor seinem ersten CL-Spiel als Real-Coach

1:07 min, vom 16.2.2016

    • 1.
      Der Dirigent
      Zinédine Zidane bei seinem Debüt als Real-Trainer.

      Bildlegende: Dirigiert gerne Zinédine Zidane bei seinem Debüt als Real-Trainer. Imago

      Zidanes Handschrift ist bereits erkennbar: Real zieht ein aggressiveres Pressing auf und strebt mehr Ballbesitz an. Die Spieler gehen unter dem neuen Coach motivierter in die Zweikämpfe. Zaubern kann aber auch er nicht. Immerhin: Der Wille ist spürbar. Zidane muntert seine Schützlinge an der Seitenlinie permament auf. Er wirkt dabei aber nie schulmeisterlich wie sein Vorgänger Rafael Benitez. Die Akzeptanz bei den Stars ist ihm gewiss. «Er hat Charisma und kennt uns gut», sagt Cristiano Ronaldo. Zidane kennt den «Laden» tatsächlich bestens: Er war Spieler (2001 bis 2006), Berater des Präsidenten (2009), Sportdirektor (2010), Assistent von Carlo Ancelotti (2013/14) und Trainier der zweiten Mannschaft.

    • 2.
      Der Umgang mit den Medien
      Zidane an der Medienkonferenz.

      Bildlegende: Zidane an der Medienkonferenz. Keystone

      So wortkarg sich Zidane bei seiner Vorstellung Anfang Jahr gab, so gewandt bewegt sich der 43-Jährige seither auf dem medialen Parkett. Der Franzose spricht stets Klartext und weiss, dass er das fussballverrückte Madrid mit Informationen füttern muss. Zidane kündigt gerne Wechsel in der Aufstellung an und spricht den Fans aus der Seele: «Es ist doch völlig normal, dass niemand sehen will, wie Barça den Pokalfinal im Bernabeu-Stadion holt. Das wäre nicht anders, wenn man in Barcelona nachfragen würde.»

    • 3.
      Die Auswärtsschwäche
      James, Benzema und Kroos nach dem  1:1 bei Betis Sevilla.

      Bildlegende: James, Benzema und Kroos nach dem 1:1 bei Betis Sevilla. Imago

      Gegen die sogenannten kleinen Teams lässt Real in dieser Saison die Muskeln spielen. Unter Benitez gab es ein 10:2 gegen Rayo Vallecano und ein 8:0 gegen Malmö. Zidane bot dem Publikum im Bernabeu-Stadion bisher stets Spektakel: 5:0, 5:1, 6:0 und 4:2 lauteten die Resultate. Auswärts lief es jedoch weniger rund. Dem 1:1 bei Betis Sevilla folgte der 2:1-Zittersieg nach schwacher Leistung in Granada. Die echten Prüfsteine kommen noch: das CL-Duell gegen die AS Roma und das Derby Ende Monat gegen Atletico. Dann wird sich zeigen, ob für Zidanes Real in dieser Saison noch ein Titel möglich ist.

    • 4.
      Der verlängerte Arm
      Luka Modric.

      Bildlegende: Zidanes verlängerter Arm Luka Modric. Keystone

      Das Real-Spiel steht und fällt mit Luka Modric. «Obwohl mit dem Chassis eines Seat Panda ausgestattet, nimmt er es mit allem und jedem auf», schrieb eine spanische Zeitung kürzlich. Der Kroate ist Zidanes wichtigster Mann. Mit seinem späten Tor zum 2:1-Sieg in Granada vor 10 Tagen hielt Modric Real gerade noch so einigermassen im Meisterrennen.

    • 5.
      Die Auserwählten
      Isco, Cristiano Ronaldo, Karim Benzema.

      Bildlegende: Isco, Cristiano Ronaldo, Karim Benzema. Keystone

      Zidane betont, dass er alle Kaderspieler bei Laune halten will. Der 3-fache Weltfussballer verleugnet seine Präferenzen jedoch nicht. «Messi? Cristiano Ronaldo ist der Beste», stellte er klar. Den ausgebooteten Isco beorderte er zurück in die Startelf. Und auch die Eigengewächse Dani Carvajal und Jese Rodriguez sind in der Hierarchie gestiegen. Während Zidane 80-Millionen-Einkauf James Rodriguez auch schon auf der Bank schmoren liess, holte er Gareth Bale sogleich ins Boot. Der Waliser trauerte Benitez als einer der wenigen nach, lief bis zu seiner Verletzung aber unter Zidane zur Hochform auf.

Sendebezug: SRF zwei, sportlive, 16.2.2016, 20:00 Uhr