Trotz Protesten: Brasilien ist bereit für die WM

Reto Gafner war als Reporter für SRF am Confed Cup in Brasilien. Trotz den Protesten der Bevölkerung gegen die Regierung sei das Land bereit für die WM 2014.

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Einschätzung von Reto Gafner zum Confed Cup

2:01 min, aus sportpanorama vom 30.6.2013

Der Confed Cup gilt gemeinhin als Gradmesser für das Austragungsland im Hinblick auf die WM, die jeweils ein Jahr später stattfindet. Brasilien habe eine gute Visitenkarte hinterlassen, sagt SRF-Reporter Reto Gafner, der den Confed Cup vor Ort mitverfolgt hat. «Das Land ist bereit für die WM. Die Organisation klappt, die Infrastruktur ist meist ausgezeichnet.»

Tolle Stadien, verbesserungswürdige Hotels

Besonders angetan zeigt sich Gafner von den Stadien in Brasilien. «Die Arenen sind überwältigend, wahre Fussball-Tempel.» Auch in Sachen Sicherheit – ein in Europa viel diskutiertes Thema – kann Gafner Entwarnung geben. «Ich habe mich in jeder Situation völlig sicher gefühlt, auch als ich mich in Sao Paolo einmal verfahren habe und in eine Demonstration geraten bin.»

Einziges Manko sei das Hotelangebot, in qualitativer und quantitativer Hinsicht. «Man darf nicht nach Brasilien reisen und erwarten, dass ein Drei-Sterne-Haus den gleichen Standard hat wie in der Schweiz», erklärt Gafner.

Massive Kritik an der Regierung

Bleiben die Proteste, die auch für Südamerika-Kenner in ihrer Dimension «völlig überraschend und unerwartet» kamen. Gafner legt Wert auf die Feststellung, dass die Proteste nur am Rand gegen FIFA oder WM gerichtet waren. «Die Mittelschicht auf der Strasse kritisiert vorab drei Punkte: das Bildungswesen, den öffentlichen Verkehr sowie das Gesundheitswesen.» Der Confed Cup sei der ideale Anlass gewesen, die Weltöffentlichkeit auf die Missstände im Land aufmerksam zu machen.

«Diese Probleme gibt es in Brasilien seit Jahrzehnten und die politische Führung hat es verpasst, diese Punkte in den letzten Jahren anzugehen.» Dass stattdessen viele Gelder in den Bau von Stadien geflossen seien, habe das Fass nun endgültig zum Überlaufen gebracht. Die Proteste richteten sich aber klar gegen die Regierung, nicht gegen die Fussball-WM.

Viele Brasilianer freuen sich auf das Fussball-Fest 2014 im eigenen Land. Ob die Proteste gegen die Regierung bis zum nächsten Sommer anhalten oder sich das politische Klima im Land entschärft, werden die nächsten Monate zeigen. Bereits nach dem Confed Cup darf indes festgestellt werden, dass Brasilien die Aufgaben als Gastgeber ausgezeichnet gelöst hat.