Ecuadors Trainerin: Kleine Frau, grosse Ziele

Ecuadors Vanessa Arauz ist die jüngste Trainerin an der WM in Kanada. Die 26-Jährige, die mit ihrer Equipe am Freitag auf die Schweiz trifft, hat mit ihrem Amateurteam grosse Ziele und Träume.

Video «Fussball: Ecuador vor dem Spiel gegen die Schweiz» abspielen

Ecuador-Trainerin Arauz im Porträt

3:28 min, vom 12.6.2015

Sie ist mit ihren 158 Zentimetern die kleinste und mit 26 Jahren die jüngste Trainerin bei dieser WM. Man überhört und übersieht sie leicht, was ein Fehler ist: Vanessa Arauz hat gleich auf Anhieb ihre Meisterprüfung abgelegt und Ecuador zum ersten Mal überhaupt an die WM gebracht.

Vanessa Arauz.

Bildlegende: Jüngste Trainerin Vanessa Arauz ist die jüngste Trainerin in Kanada. Reuters

Frauenfussball ist in Südamerika noch ein wenig schwieriger als anderswo, der Macho-Kultur sei Dank. «Es ist zwar besser geworden», sagt Arauz, «aber die alten Vorurteile gegen Fussball spielende Frauen lassen sich in Ecuador nicht so leicht ausrotten.»

Aus Liebe zum Sport

Die Unterschiede sind gewaltig: einer wie Antonio Valencia, ecuadorianischer Star in Diensten von Manchester Uniteds, verdient Millionen. Dagegen spielen die kickenden Frauen für eine Handvoll Dollars, «und für die Liebe zum Sport und zu unserem Land», wie Captain Ligia Moreira sagt.

«  Die alten Vorurteile gegen Fussball spielende Frauen lassen sich in Ecuador nicht so leicht ausrotten »

Vanessa Arauz

Wie alle Teamkolleginnen kann Moreira nicht vom Fussball leben. Sie haust mit ihrem Bruder in einem heruntergekommenen Appartment in Guayaquil und träumt davon, Sportjournalistin zu werden.

Vanessa Arauz zusammen mit Nati-Trainerin Martina Voss-Tecklenburg.

Bildlegende: Vanessa Arauz Hier bei der Auslosung zusammen mit Nati-Trainerin Martina Voss-Tecklenburg. Keystone

10 Stunden an ein Spiel - im Bus

Die Qualifikation für Kanada schafften die Ecuadorianerinnen im allerletzten Moment. Nach einem 0:0 im Heimspiel gegen Trinidad & Tobago gelang Monica Quinteros in der Schlussminute der Verlängerung im Rückspiel in Port of Spain das goldene Tor. «Aus dem Ruhestand zum Ruhm», lautete die Schlagzeile im Lokalblatt am nächsten Tag.

«  Wir gehen nicht nach Kanada, um einfach dort gewesen zu sein »

Vanessa Arauz

Arauz hatte Quinteros zum Weitermachen überreden müssen, «und jetzt habe ich Geschichte geschrieben - unglaublich.» Quinteros wohnt mit ihrer Mutter, ihren Schwestern und Freunden in einem bescheidenen Häuschen in Guayaquil. Wenn sie zu einem Auswärtsspiel ihres Vereins nach Quito reisen muss, setzt sie sich klaglos 10 Stunden in den Bus, spielt 90 Minuten und fährt 10 Stunden mit dem Bus zurück. «Ich liebe den Fussball», sagt sie - und lächelt.

An der Leidenschaft wird es den Neulingen aus Ecuador nicht fehlen. Ob das reichen wird, um ein weiteres Kapitel Sportgeschichte zu schreiben, wird sich zeigen. Vanessa Arauz gibt sich kämpferisch. Grenzen seien da, um gesprengt zu werden, sagt sie, «wir gehen nicht nach Kanada, um einfach dort gewesen zu sein.»

Sendebezug: SRF zwei, sportaktuell, 9.6.15, 03:40 Uhr

TV-Hinweis

TV-Hinweis

Verfolgen Sie das zweite Gruppenspiel der Schweiz gegen Ecuador in der Nacht von Freitag auf Samstag um 01:00 Uhr live auf SRF zwei oder srf.ch/sport.