Gastgeber Kanada: Das Deutschland-Trauma überwunden

Vor 4 Jahren an der WM in Deutschland kläglich gescheitert, strebt Kanada bei der Frauen-WM im eigenen Land einen Exploit an. Die Mannschaft ist reifer geworden und Coach John Herdman hat den Spielerinnen neues Selbstvertrauen eingeimpft.

Sophie Schmidt und Christine Sinclair

Bildlegende: Hohe Erwartungen Kanadas Nationalteam (hier Sophie Schmidt und Christine Sinclair) sollen an der Heim-WM die Scharte von 2011 auswetzen. Reuters

Sommer 2011: Nach 3 Niederlagen in der Gruppenphase war die WM für die Kanadierinnen bereits vorbei. Coach Carolina Morace wurde entlassen, das Team stand vor einem Neuanfang. «Die WM in Deutschland war ein Desaster», blickt Chris Young zurück.

Der Journalist des Toronto Star berichtet seit Jahren über Kanadas Frauen-Nationalmannschaft und ist überzeugt: «Die darauffolgende Verpflichtung von Coach John Herdman war ein Segen. Er ist ein grossartiger Motivator, taktisch gewieft, und er vermochte dem Team neues Selbstvertrauen zu verleihen.»

Olympia-Bronze in London

In der Tat gewannen die Kanadierinnen nur wenige Monate nach dem Scheitern in Deutschland Gold an den PanAm Games (Finalsieg gegen Brasilien), und ein Jahr später an Olympia 2012 in London führte der Neuseeländer Herdman seine Schäfchen zu Bronze. Es war dies die erste Medaille für Kanada in einer klassischen Teamsportart an Olympischen Sommerspielen seit 76 Jahren.

Beliebteste Sportart bei Kindern

Fussball gewinnt im Eishockey-Mutterland immer mehr an Bedeutung. Bei den 5- bis 14-Jährigen ist Soccer schon seit Jahren die mit Abstand beliebteste Sportart. So sind denn auch die Erwartungen im Gastgeberland an das Heimteam «grösser als je zuvor», sagt Young. «Ich kann mich noch gut an 2002 erinnern, als bei der U19-WM der Frauen knapp 50‘000 Zuschauer in Edmonton den Final zwischen Kanada und den USA verfolgten. Diese Teenage-Girls lösten im Land eine wahre Euphorie aus.»

Duell mit der Schweiz im Achtelfinal?

Etliche dieser «Teenage-Girls» sind nun Leistungsträgerinnen. Etwa Christine Sinclair, damals mit 10 Toren WM-Topskorerin, oder Erin McLeod, die aktuelle Torhüterin Kanadas. Sie sind der Grund dafür, dass in Kanada von der ersten WM-Medaille geträumt werden darf.

«  Teenager lösten 2002 eine wahre Euphorie aus »

Chris Young, Journalist

«Ziele werden im Vorfeld bewusst keine formuliert», sagt Young. «Aber ich bin mir sicher, dass man insgeheim die Halbfinals anstrebt. Entscheidend wird sein, wie die Mannschaft mit dem Druck umgeht. Aber das Team hat die nötige Reife, um zu bestehen.»

Die Gruppenphase sollten die Kanadierinnen (Nr. 8 im FIFA-Ranking) mit China (16), Neuseeland (17) und den Niederlanden (12) als Gegner überstehen. «Schafft es Kanada danach, den Schwung in die K.o.-Phase mitzunehmen und auf der Erfolgswelle zu reiten, angetrieben vom begeisterungsfähigen Heim-Publikum, dann ist vieles möglich», glaubt Young. Die Schweiz wäre dann ein möglicher Achtelfinal-Gegner.

Sendebezug: SRF zwei, sportaktuell, 5.6.15, 22:20 Uhr

TV-Hinweis

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Verfolgen Sie das WM-Eröffnungsspiel Kanada-China am Samstag ab 23:30 Uhr auf SRF zwei.