Kamerun: Chaos und eine wütende Legende

Die Vorbereitung von Kameruns Frauen-Team auf die WM verlief chaotisch. Trotzdem hoffen die Afrikanerinnen, besser abzuschneiden als an den Olympischen Spielen von London.

Verteidiger Yvonne Leuko war bereits an Olympia 2012 in London dabei.

Bildlegende: Routiniert Verteidiger Yvonne Leuko war bereits an Olympia 2012 in London dabei. Reuters

Eigentlich hätte Liberia für ein Olympia-Qualispiel der Frauen nach Kamerun kommen sollen, doch 2 Tage vor dem Anpfiff sagte die Mannschaft ab. Keine Lust, kein Geld, keine Equipe – den genauen Grund für das Forfait kennt niemand.

In Kamerun hätte man sich über das kampflose Weiterkommen freuen können, doch das Gegenteil war der Fall. Dieses Forfait, schimpfte Trainer Carl Enow, sei für ihn eine Katastrophe. «Wie soll ich so mein bestes Team für die WM finden?» fragte er verzweifelt.

Kaum Aufschlüsse vor der WM

Die Spiele gegen Liberia wären die einzigen Test-Matches vor dem Trip nach Kanada gewesen. Stattdessen mussten seine «unbezähmbaren Löwinnen» gegen eine zusammengewürfelte Truppe von halbwüchsigen Jungs spielen, was dem bedauernswerten Enow kaum neue Aufschlüsse gab.

«  Wie soll ich so mein bestes Team für die WM finden »

Carl Enow

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Kameruns Legende Roger Milla

2:36 min, vom 22.6.2010

Das Chaos um Kameruns Frauen-Team vor seinem Debüt auf der WM-Bühne erinnerte fatal an die Situation bei der Männer-Premiere Kameruns 1990. Damals bestimmte Staatspräsident Paul Byia, wer nach Italien fahren würde, und gab dem Trainer auch gleich noch die Aufstellung mit auf den Weg.

Noch am Tag vor dem Eröffnungsspiel gegen Argentinien stritt man um die Prämien, um dann Argentinien sensationell 1:0 zu schlagen. Der Held von «Italia 90» hiess Roger Milla, heute 62, lebende Legende, Sonderbotschafter von Staatspräsident Byia.

«  Die Funktionäre kümmern sich nur darum, dass sie selbst eine schöne Reise nach Kanada haben »

Roger Milla

Wütender Roger Milla

Wir besuchten Milla in seinem Haus in Yaounde, wo wir einen wütenden Botschafter fanden. Was mit der Frauen-Mannschaft gemacht würde, schimpfte Milla, sei eine Katastrophe. Wenn sie gut vorbereitet wäre, dann hätte sie eine Chance, aber so? fragt Milla. Und fügte an: «Die Funktionäre kümmern sich nur darum, dass sie selbst eine schöne Reise nach Kanada haben.» Das Wohl des Teams interessiere sie nicht.

Trainer Enow hat natürlich trotz allem eine Mannschaft zusammengewürfelt, mit der er nach Kanada gereist ist. Sein Ziel? Besser abschneiden als 2012 bei Olympia in London. Damals hatte man alle 3 Spiele mit einem Gesamtskore von 1:11 verloren. Nach 2 Spielen bei der WM 2015 lautet das Torverhältnis immerhin 7:2.

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Zusammenfassung Kamerun - Ecuador

1:50 min, vom 9.6.2015

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Zusammenfassung Japan - Kamerun

2:35 min, vom 13.6.2015

Sendebezug: SRF zwei, «sportlive», 13.06.2015, 00:50 Uhr.