Mitgehalten. Aber nicht durchgesetzt

Nach vier Spielen ist Schluss. An ihrer ersten Weltmeisterschaft ist die Frauen-Nati im Achtelfinal gescheitert. Was bleibt, ist die Erkenntnis, mit den Besten mithalten zu können. Mehr aber noch nicht.

Nati-Captain Caroline Abbé muss den Ball gegen zwei Kanadierinnen verteidigen.

Bildlegende: In Bedrängnis Nati-Captain Caroline Abbé im Spiel gegen Kanada. Keystone

Die Zahlen sind brutal: Vier Spiele, drei Niederlagen. So die nüchterne Bilanz der Schweizerinnen an ihrer ersten WM. Die Leistung der Frauen-Nati nur an den Ergebnissen zu messen, greift aber zu kurz. Vor allem beim ersten und letzten Auftritt zeigte sie, dass nicht mehr viel fehlt, um auch mal einen Grossen zu schlagen.

Entwicklung weit fortgeschritten

«Ich weiss nicht, ob heute das bessere Team gewonnen hat», sagte Martina Voss-Tecklenburg unmittelbar nach dem Kanada-Spiel. Ein simpler Satz, der aber nicht nur den Achtelfinal gegen die Gastgeberinnen umschreibt, sondern der für die ganze WM-Kampagne der Schweizerinnen steht.

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Dickenmann: «Die Enttäuschung kommt später»

1:16 min, vom 22.6.2015

In allen Spielen – ja, auch zu Teilen gegen Kamerun - hat das Nationalteam gezeigt, wie weit die unter Voss-Tecklenburg forcierte Entwicklung bereits fortgeschritten ist. So weit, dass positive Ansätze alleine eine Spielerin wie Lara Dickenmann nicht mehr zufrieden stellen: «Wir wollen keine Ausreden suchen. So ein Spiel können und müssen wir gewinnen. Da kann man nicht immer sagen, dass wir noch jung und unerfahren sind.»

Aussagen wie diese zeigen, dass sich nicht nur die Spielweise sondern auch das Selbstverständnis der Nati verändert hat.

Der «Tolggen» aus dem Kamerun-Spiel

So unnötig das Aus im Achtelfinal erscheinen mag, wirklich ärgerlich war eine andere Partie. Besser gesagt: eine andere Halbzeit. Die zweite im Spiel gegen Kamerun. Dies ist der wohl grösste «Tolggen» im Schweizer Reinheft.

Vor lauter Euphorie über den Auftritt gegen Japan und die 1:0-Führung gegen Kamerun liess die Schweiz für einmal taktische Disziplin vermissen. Die Führung und den damit verbundenen zweiten Gruppenplatz nicht über die Zeit gerettet zu haben, ist bittere und wertvolle Erfahrung zu gleich.

Von Erfahrung profitieren

Wertvoll, weil genau solche Momente künftig in einer ähnlichen Situation in Erinnerung gerufen werden können. Das gelte für alle Erfahrungen in den letzten Wochen, betont Voss-Tecklenburg. Jedes Erlebnis rund um die WM helfe, «den Schweizer Frauenfussball um ein kleines Niveau besser zu machen.»

Die WM der Schweiz war definitiv besser als es drei Niederlagen in vier Spielen suggerieren. Nun gilt es dies zu beweisen. In der Qualifikation für die EM 2017.

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Frauen-Nati scheitert im Achtelfinal an Gastgeber Kanada

2:21 min, vom 22.6.2015

Sendebezug: SRF zwei, sportlive, 22.06.15 01:10 Uhr