Eine wunderliche Reise ins deutsche WM-Camp

Wer eine Reise macht, kann etwas erleben. Eine Geschichte über den Besuch des WM-Camp von Deutschland im brasilianischen Nirgendwo. Eine Geschichte vor allem über die Besonderheiten im Land des WM-Gastgebers.

Das deutsche Team bei der Anreise ins Camp auf der Fähre.

Bildlegende: Nur mit der Fähre Das deutsche Team bei der Anreise ins Camp. Keystone

Nur 20 Kilometer trennen Porto Seguro vom beschaulichen Fischerdorf Santo André, wo sich die deutsche Nationalmannschaft auf die WM in Brasilien vorbereitet. 30 Minuten Fahrt, inklusive Überfahrt mit einer Fähre, zeigt das Navigationssystem einer Schweizer Journalistengruppe an, die um 11:30 Uhr Ortszeit an einer Medienkonferenz mit Philipp Lahm teilnehmen will.

Mit den brasilianischen Verhältnissen nach einigen Tagen Aufenthalt vertraut, macht sich die Gruppe 80 Minuten vor dem Termin auf den Weg. Die erste Etappe verläuft gut, nach einer malerischen Fahrt dem Meer entlang finden sich die Journalisten in der Warteschlange vor der Fähre wieder. Einer langen Warteschlange.

Ein «Fährchen» trennt Deutschland von der Welt

Als nach 30 Minuten Wartezeit endlich das Fährboot erscheint, wird den Besuchern klar, weshalb es nicht schneller vorwärts geht. Knapp 12 Autos finden Platz auf dem «Schiffchen». Immerhin kommt die Gruppe in der Schlange voran, das Auto passt auf die nächste Fähre, Zeit: 11:05 Uhr, es könnte knapp reichen bis zum Medientermin.

Schlechter sieht es für eine Gruppe von deutschen und portugiesischen Journalisten aus, die sich in der Warteschlange viel weiter hinten befinden. Solidarisch gewähren die Schweizer ihren ausländischen Kollegen Asyl. 7 Personen sitzen nun im Auto mit 7 Plätzen, 3 vollständige Kamera-Ausrüstungen, es ist eng.

Ein Paradies im Nirgendwo

Dafür entschädigt die Landschaft. Wunderschön ist die Fahrt mit der Fähre, und den Besuchern wird langsam klar, weshalb sich Deutschland für dieses abgelegene Paradies als WM-Camp entschieden hat. Um 11:40 Uhr kommt die inzwischen internationale Gruppe beim «Campo Bahia», dem deutschen WM-Lager an.

Dann die nächste Überraschung: Der Medientermin ist auf einen unbestimmten Zeitpunkt nach hinten verlegt worden. «Wir passen uns den brasilianischen Verhältnissen an», erklärt eine DFB-Medienbetreuerin fröhlich. Zeit also, sich im «Campo Bahia» umzusehen. Was die Deutschen mitten in die brasilianische Wildnis gezaubert haben, ist schlicht fantastisch.

Eine Oase für Spieler und Journalisten

Die Räume sind wunderschön, die Internetverbindung schnell. Die 500 (!) akkreditierten Journalisten finden perfekte Arbeitsbedingungen vor, erhalten gratis Kaffee und Kuchen und einen herrlichen Blick aufs Meer. Der DFB hat sich eine eigene Welt geschaffen, eine Oase mitten im paradiesischen Nirgendwo.

Der Medientermin beginnt schliesslich um 12:20 Uhr. Lahm erzählt von seinem Gesundheitszustand («die WM kann losgehen»), von der Hitze («nach 3 Schritten schwitzt man schon») und von seinem Eindruck vom Camp («überragend, Weltklasse»). Was der Besuchergruppe aber in Erinnerung bleiben wird, ist diese Reise ins Nirgendwo. Dieser alltägliche Wahnsinn im WM-Gastgeberland Brasilien.

Bilder zur Anreise ins deutsche Camp finden Sie auf unserer Facebook-Plattform.