Honduras: Fussball unter erschwerten Bedingungen

Als Aussenseiter ist Honduras in die Schweizer Gruppe E gestartet – und nach zwei Spielen sehen sich Prognostiker bestätigt: Mit 0 Punkten und einem Torverhältnis von 1:5 sind die Mittelamerikaner das Schlusslicht. Gescheitert ist Honduras aber nicht.

Foul beim Spiel Frankreich gegen Honduras.

Bildlegende: Über den Kampf ins Spiel Der Weg zur internationalen Profi-Karriere ist in Honduras kein Leichtes. Reuters

Während die restlichen CONCACAF-Nationen – Mexiko, Costa Rica und die USA – in schwierigen Gruppen gross auftrumpften, bleiben «Los Catrachos» nur noch theoretische Chancen auf das Erreichen der Achtelfinals. «Operacion Milagro» (zu deutsch: Operation Wunder) tauften die Honduraner das schwierige Unterfangen gegen die Schweiz.

«Wir kämpfen immer weiter, nicht nur im Fussball», trotzt Flügelspieler Roger Espinoza von Wigan Athletic der ungünstigen Ausgangslage. Tatsächlich erfordern auch die «Rahmenbedingungen» in Honduras Kampfgeist: Das 8-Millionen-Einwohner-Land ist zwar voller Fussballbegeisterung. Politisch und wirtschaftlich gilt es indes als instabilstes der Region. Die Kriminalitätsrate ist gemäss UNO die weltweit höchste, Fussball findet nur unter erschwerten Bedingungen statt.

Aufstiegsgeschichten mit Abgründen

Die Biographien vieler Spieler sind denn auch ein Spiegel der Zerrissenheit des Landes: Andy Najar gelangte als 13-jähriger über Menschenschmuggler zu seiner Familie in die USA. Seit 1,5 Jahren spielt er bei Anderlecht, 2013 wurde er Meister. Im gleichen Jahr wurde sein Vater als Sans-Papier in den USA verhaftet. 2010 in Südafrika waren Wilson, Jerry und Johnny Palacios das erste Brüder-Trio an einer Fussball-Weltmeisterschaft. Drei Jahre vorher wurde der jüngste der Brüder, Edwin, entführt und später umgebracht. Wilson, bei Stoke City in der Premier League engagiert, gehört heute zu den grössten Fussball-Idolen in Honduras.

Die Euphorie am Leben halten

Die Euphorie über die erneute WM-Teilnahme 2014 war gross. Um sie am Leben zu halten, braucht es indes eine sportliche Kursänderung gegen die Schweiz: Im Startspiel gegen Frankreich sah Palacios gelb-rot und verschuldete den Penalty zum 0:1, die «H» war trotz aufopferungsvollem Kampf überfordert. Gegen Ecuador (1:2) verdiente sich Honduras mit ungestümem, energetischem Fussball viele Sympathie-Punkte. Dazu gelang der 1. WM-Treffer seit 32 Jahren. «Nicht der Rede wert», sagt Trainer Luis Suarez trocken. Man will mehr: «Niemand hat geglaubt, dass wir uns für die WM qualifizieren, und hier sind wir. Wir träumen weiter», sagt Espinoza.

Sendebezug: SRF zwei, FIFA WM 2014 live, 15.6. und 21.6.2014, 19:00 Uhr und 00:00 Uhr.

TV-Hinweis

TV-Hinweis

Verfolgen Sie das letzte Gruppenspiel der Schweizer Nati gegen Honduras am MIttwoch ab 22:00 Uhr auf SRF zwei und im Livestream.