Italien im Jammertal: «Katastrophen-WM»

Die italienischen Medien haben nach dem kläglichen WM-Out der «Squadra Azzurra» scharfe Kritik geübt. Auch der zurückgetretene Coach Cesare Prandelli blieb davon nicht verschont.

In Italien leckt man nach dem zweiten Vorrunden-Out an einer Weltmeisterschaft in Folge die Wunden. «Der Zusammenbruch. Italien nach Hause. Ein Scheitern», titelte die Gazzetta dello Sport am Tag nach der 0:1-Niederlage gegen Uruguay und dem Verpassen des Achelfinals. Bemängelt wird dabei vor allem die ungenügende Offensivleistung: «Azzurri harmlos und ohne Ideen.»

Der Corriere dello Sport hatte den Schuldigen der «Katastrophe» schnell gefunden: «Alle Fehler von Prandelli: Der Hitze-Alptraum, die Wechsel, aber vor allem das totale Vertrauen in Balotelli.» Prandelli selbst hatte die Verantwortung für das Scheitern ebenfalls auf sich genommen und kurz nach dem Out seinen Rücktritt verkündet. Dass er am streitbaren Stürmer Mario Balotelli festhielt, habe sich am Ende als Fehler herausgestellt. «Balotelli war Teil des Projektes, und es war kein siegreiches», gab der 56-Jährige zu.

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Der Abschied von Andrea Pirlo

1:50 min, aus FIFA WM 2014 live vom 25.6.2014

Letztes Länderspiel von Pirlo

Wie Prandelli warf auch Verbandschef Giancarlo Abete das Handtuch. Er wolle mit seinem Rücktritt Platz für einen Neuanfang schaffen. Diesen muss Italien auch ohne seinen Mittelfeld-Regisseur Andrea Pirlo in Angriff nehmen. Der 35-Jährige bestritt gegen Uruguay sein 112. und wohl letztes Länderspiel für die «Squdra Azzurra». Gut möglich, dass es ihm andere «Altstars» wie Gianluigi Buffon gleich tun werden.

Dass die Mannschaft zu alt sei und ihren Zenit überschritten habe, wollte der italienische Torhüter aber nicht gelten lassen. Vielmehr kritisierte er die Einstellungen der Jungen. «Oft hört man, dass es zu einem Wechsel kommen sollte, dass Buffon, Pirlo, De Rossi, Chiellini und Barzagli alt sind. Die Wahrheit ist, dass diese Spieler immer in der ersten Reihe sind, wenn es ums Arbeiten geht. Man muss sie ein bisschen mehr respektieren. Nicht nur wegen dem, was sie einmal waren, sondern wegen dem, was sie heute noch sind», stellte sich Buffon verteidigend vor seine erfahrenen Mannschaftskollegen.

Schiedsrichter trägt Teilschuld

Ein grosses Thema im italienischen Blätterwald war wenig überraschend auch Schiedsrichter Marco Rodriguez. «Ein weiterer Schiedsrichter schadet uns: Marchisio unberechtigt vom Platz gestellt, Suarez beisst Chiellini. Was für Fehler!», urteilte die Gazzetta dello Sport. Dass dies aber nicht der Hauptgrund für Italiens Scheitern war, darüber ist man sich überall einig.

Sendebezug: SRF zwei, FIFA WM 2014 live, 24.06.2014, 18:00 Uhr

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Italien - Uruguay: Die Live-Highlights

4:49 min, aus FIFA WM 2014 live vom 25.6.2014